TheaterCombinat

Arbeitsjournal

Mittwoch, 4. 8.99
Mürrische Stimmung. Claudia will in die Stadt, niemand will die Sachen verstauen. Also der "Gesprächstermin" bis Loulou kommt. Arno verliest mürrisch Andreas' Protokoll. Frage von Claudia, was das bringt. Ich sage die Frage ist, wie man Gesten exemplarisch genauer beschreiben kann - was heißt unkonkret, z.B. in Bezug auf Andreas' Bewegung vom Vortag. Tina Z: "Zum Bild werden" - was heißt wiederum das?
Arno Achim Freyer sage ja, auf dem Theater gibt's eh kein Bild - das ist lebendig.
Claudia beschreibt ihre Kriterien der "Bildwerdung", das Kommunikationsmoment, das erlischt im Bild, wenn Anfang und Ende einer "Geste"/ Bewegung unbestimmt sind.
Arno kappt diesen Diskurs, Andreas erklärt sich, wie er das Protokoll gemacht hat: er wolle nur Abläufe aufschreiben, um das dann später genauer und persönlicher zu füllen. (Vielleicht wie ein "Gefäß" für die folgenden?)
Claudia fragt nach der Schwierigkeit eben jener Geste -
Andreas sagt, zu Beginn war die Bewegung das Fangen eines Regentropfens, die dann technisch wurde, weil beliebig auf andere Regentropfen angewendet - Distanzen dabei nicht mehr konkret, schließlich am Ende eine Art Balance-Übung;
Claudia Angang und Ende unklar
Arno Die Intention sei ihm schon klar gewesen, er selber sei dann aber bei "seinem" Wassertropfen zu weit weg gewesen und wollte dann nicht nachbessern, so daß er stehengeblieben sei - wurde dann von Tina Z herumgeschoben, war dann eh o.k.; manche Gesten könne man nur in eine Richtung hin auflösen, die dann schwer zu greifen wären - man müsse Gesten finden, die mehrere Richtungen offenhalten.
Claudia beschreibt nochmals die Bewegung, das Aufsetzen des Fußes usw. - als sehr formalen Vorgang -
Tina Z hat das Wasser als Ausgangspunkt gar nicht gesehen (ich auch nicht).
Ich Frage ist ja, in welche Richtung eine Geste - oder von wo aus - aufzulösen oder zu übernehmen ist - von der "Intention", wie Arno, der sich auf das Wasser bezieht - oder von der Bewegung wie Tina Z das verwandelt hat in eine schnelle, stoßende.
Markus spricht von der Geschlossenheit der Bewegungen: "vielleicht hilft dabei "ein Unfall", diese aufzulösen" -
Claudia Problem bei Andreas Geste, daß der physische Aufwand für diese Bewegung nicht nachvollziehbar sei -
Andreas sagt, daß für seine Übung erstens nur ein paar von den Pfützen brauchbar gewesen seien und daß außerdem der Regen irgendwann aufgehört hatte, mithin keine Tropfen mehr zu fangen waren -
Claudia kommt zurück auf die physische Anstrengung, was ist deren Grund und wie verändert sie mich - gibt die Bewegung eine neue Qualität, wie bei Tina Z, die das übertrieben hatte, in eine ganz extreme Vorbeuge ging - Frage, wie ich den Verlauf füllen kann auch in der Veränderung, was dann zum Material wird -
Andreas findet das für sich schwierig, hätte er nicht festgestellt (die Veränderung von sich durch die Bewegung)
Claudia meint, daß speziell Andreas immer sehr geführte Bewegungen setzt, einen beherrschbaren Vorgang etabliert, der sich dadurch gleich bleibt -
Andreas findet in den fremden Gesten für sich am meisten Material, wenn er sie unterbricht oder im Rhythmus verändert - das ergäbe völlig andere Zeichen, als die, die er sonst mache.
Claudia Die Frage sei, wie weit führe ich eine Bewegung oder wie weit führt sie mich, wie weit gehe ich in deren Ausdruck hinein, wie gibt das einen Impuls -
Andreas sagt, es macht doch eh jeder seine Gesten, diese würden nie exakt abgenommen -
Claudia verweist auf s.o. und meint, es hätte auch was mit der Antizipation der Bewegung zu tun - Beispiel vom Gatter runterspringen und in den Raum laufen - wie weit lasse ich mich auch "auflaufen" - oder weiß ich immer schon vorher, wo ich stoppe.
Andreas sagt er wußte nie wann er stoppt
Claudia sagt Andreas soll viel mehr in das Moment der "kontrollierten Unkontrolliertheit" hineingehen, sonst sei man in der Bewegung gefangen - verweist auf ein Gespräch mit Tina Z zum Spielcharakter - was ist Spiel, was bin darin ich, welches Verhältnis, was ist dann das Spiel - und auf eine für alle differente Situation durch verschiedene Gesprächskontexte - wie wird meine physische Situation überschritten oder "berührt" durch die Bewegung der anderen - dadurch wird Spiel und Privates anders thematisiert: durch das Füllen der anderen Bewegung (ein Monolog droht) -
Und zur Frage "Geht es um Spiel oder doch": Improvisieren zu definieren als Freiraum oder gemeinsamen Erfahrungsraum, der durch den Ausdruck, den ich gebe, verbindbar, kommunizierbar wird - Unterschied zu Therapie - (ich frage mich, ob vielleicht "die Kontrolle" dann "das Private" ist, das als solches erscheint, gerade weil mans vermeiden will).
Tina Z f fragt, ob die web - Gruppe sich traf - ja, Dias geschaut, gescannt.
Claudia Äh - sollen wir noch über die Aktion sprechen -
Schweigen.
Andreas Wer hat 1 Idee?
Tina Z dachte, wir hängen von der Tangentenbrücke -
Tina S ziemlich kurze Aktion, da kopfüber zu hängen -
Tina Z doch nicht kopfüber - technische Fragen, Seile, Alpenverein - Scherze am Rand -
Arno Ja, wann?
Claudia dachte, man probiert da einmalig Sachen, die man sonst nicht macht und einigt sich dabei vorher auf eine Struktur -
Tina Z will die Seilenummer machen
Ich bin kurz weg beim pinkeln, komme wieder, da ist eine Debatte über "Ritual" im Gang:
(Brücke-Zeus-Ritual)

Tina Z Ist nicht alles, was wir zu sechst machen, ein Ritual?
Ich Nein - gesellschaftliche Anbindung/Bedeutung/Konvention/Sinn.
Arno Ist entweder gesellschaftlich oder religiös vermittelnd, Sinnstiftung, Glauben. Da sei das Problem, insofern als wenn wir an nichts glauben, produzieren wir immer nur ein Abbild von einem Ritual.
Claudia glaubt an den Körper als Medium von Erfahrung - Möglichkeiten zu entdecken jenseits von bereits Codiertem - an dieser Frage sollten wir weiter suchen: das kathartische Moment -
Markus erzählt von seiner Lektüre antiker Sektenrituale und der Katharsis -
Andreas drängt deshalb auf den Mittwoch als Diskussions/Vortragstermin -
Claudia berichtet von ihrer Lektüre von Freuds Studien zur Hysterie - Katharsis im 19. Jh in Wien, wie man damit als Material arbeiten könne - Psychoanalyse als Verdrängung ins Private - ein neues Ritual allerdings unter Ausschaltung von gesellschaftlicher Praxis -
Arno monotheistisches Weltbild führt zur genormten Sicht von geistiger Gesundheit -
Ich winde mich innerlich weil ich Freud GUT finde und sage, daß paradoxerweise aber die Psychoanalyse Freuds eine der wesentlichen gesellschaftlich umwälzenden Thematisierungsformen von Gesellschaft war zu ihrer Zeit -
Markus sagt, Katharsis war immer ganz praktisch Reinigung, Waschung, Milch, Honig, Blut...
Claudia räumt ein, daß man natürlich die heutigen Voraussetzungen klären muß und
Arno besteht auf dem gemeinsamen Glauben, der das Ritual für die, die es machen, konstituiert.
Claudia bezeichnet die Grundschwierigkeit dergestalt, daß die jeweiligen Kommunikationsebenen im Ritual ständig zu klären seien.
Tina S schließlich schlägt vor, den Schlachthof gemeinsam zu putzen, dann sich zu waschen -
Andreas "mit Milch und Honig" -
Das ist Tina S zu 1:1,
Claudia findet das im Verbund mit dem praktischen Putzen gut und hat noch eine tolle Idee im Ärmel: 5 auf dem Dach, einer unten gehend mit Text, dabei müsse "die Bekleidungsfrage" diskutiert werden (sie meint nackt).
Kann man den Zeuschor zur Autobahn schicken?
Termin: 22. August, Sonntag, 20.00 Uhr Propaganda??

15.00 Christian kommt mit Fotos, anschaun, leider keine Kommentare dazu, konzentriert, dann liest man einen Text von Walter Siegfried, zu folgen ist schwierig, keine Diskussion darüber.
Ich sage "Atmosphäre" und "Situation" von Diedrich Diedrichsen für mich brauchbare Unterscheidung -
Loulou kommt - Training: Yoga; eine Impulsübung: Was ist ein Impuls. Impulse vom andern ohne Kontakt abnehmen - "den Hall" des Impulses verlängern und eigenes draus machen. Die Übung "klappt" nicht so leicht - wir sind nicht subtil genug und zu wenig bewegungsfreudig. Das dazu ungenau in Kürze.
Dann beschreibt sie die ¾ h Probe, die sie gesehen hatte: Tendenz - wir verdoppeln den Raum in seiner Härte und Strenge - zunächst dachte sie, es sei Konzept, daß keine Gefühle oder Individuelles sichtbar seien - nur, wir sollten gegen die Räume arbeiten, mit "menschlicheren", auch persönlicheren und vielleicht kleineren Elementen. Auch das ungenau in Kürze.
Pause. Geplänkel. Plötzlich werden die Kollegen AATz in die Runde einbezogene - sie stellten nebenher die sogenannte Spaßfrage. Nun wird's ernst - Tina Z sagt Spaß sei wenn man lacht.
Josef spricht über Lachen als Effekt von Wiedererkennung. Ich frage wie man auf die Frage kommt. Ob Loulou auch Spaß vermißt. Nein, menschliches. Diese Probe grade sei aber auch besonders starr gewesen. Arno findet sie dagegen schon repräsentativ. Claudia und Josef nicht, es gebe Besseres von uns. Josef: "Und kaum Schlechteres". Markus meint, Loulou meint, wir hätten alle ein Brett geschluckt. Runde Bewegungen seien Theorie. Tina Z sagt ja und nein. Tina S sagt, ja, aber absichtlich, das Brett hieße Schlachthof - schließlich sei die Aufgabe lange gewesen, mit dem Raum und nicht gegen ihn zu arbeiten. Markus spricht von den 30 Jahren Brett im Normalkörper. Tina S fragt wieder, ob wir dafür die Richtigen seien: "Wie frei muß man sein, um diese Arbeit zu machen?"
Josef weint. Ich sage don't cry work und anderen Schmäh. Claudia will "kurz schnurz" wissen, wie es uns mit Loulous Übung ging.
Schweigen. Arno sitzt auf dem Gatter, Christian ist da. Tina Z sagt sie schließt sich dem Schweigen an. Dann findet sie allerdings beachtlich, was wir alles in Frage stellen: Situation, Begegnung, Impuls...irgendwie komisch.... anfangs denkt man, man weiß es eh.
Dann aber kommt die Frage im Nachhinein. Andreas murmelt, für ihn sei schwierig, nicht ständig durchschaubar zu reagieren, auch etwas kleines könne ja was ganz anderes auslösen. Ich sage, man kann das aber scheints nicht erzwingen oder beschwören. Diskussion über "geführte" Bewegungen - führt Loulou genauso nur mit einem anderen Repertoire? Tina S meint, solange man z.B. den andern noch sehen soll, muß man die Bewegung führen und driftet nicht weg. Arno glaubt nicht, daß Loulou genauso führt, es gebe eine andere Grundspannung, man läßt sich vom andern überraschen und führt die Bewegung dann. Die Kenntnis der eigenen körperlichen Grenzen hemme dieses Überraschen, weil man weiß, man hat nur ungefähr drei Möglichkeiten sich zu bewegen ... dadurch auch entstehe dieses verhaltene Verhalten zum Raum. Claudia meint, das Verhalten hätte sich über die Gesten-Improvisationen schon verändert... A (?) sagt zum "Individuellen" von Loulou, daß das Problem bei uns ja auch mit dem Chor zu tun hat, auf die anderen schaun. Claudia denkt, der Hauptteil ist, wie man dahinkommt, andere Bewegungen zu finden; in den letzten Übungen würden von den Einzelnen ganz neue Sachen sichtbar. Ein Moment sei die Durchlässigkeit (muß das Sichtbarkeit sein?) - es geht ja nicht um den durchtrainierten Körper, der dann Beliebiges tun kann. Sichtbar geworden sei für sie eine andre Präsenz jedes einzelnen durch die Beschränkung auf eine Geste.
Arno: sobald wir alles wegnehmen, was mit der Orestie zu tun hat, kommen wir halt nahe zum Theater; das aber einfach dann in die Impro zu übernehmen läuft halt nicht so schnell - Gewöhnung an die lange Dauer von allem, das sei halt so, genauso wie auch die verschiedenen Rhythmen der Chortexte noch nicht körperlich erfaßt seien. Die Begegnungsübungen würden ja auch kaum aufgenommen. Tina S bestreitet das. Arno beharrt drauf, daß wenn es um einen großen Bogen gehe, wenig im Konkreten von dem Material realisierbar sei.
Warum? - Zeitfaktor - Chor. Claudia meint, man könne sich in den Impros auch individuell beschränken und sich einzelne Felder zur Bearbeitung rausnehmen.
Arno - man müsse von unendlichen Möglichkeiten ausgehen - was paradoxerweise bei uns oft dazu führt, dann lieber nichts zu tun, denn wir haben ja Zeit. Claudia fragt nochmal nach den Begegnungsübungen - Andreas meint, die Übungen waren auf einem andern Niveau, daraus ist soviel auch nicht zu entwickeln gewesen, es ging damals um einen andern Punkt. Claudia sieht das trotzdem anders, was die Qualität der Bewegung anbelangt und den Spielcharakter in Impros.
Andreas Für ihn sei in der Übung, in der jeder eine einzelne Geste hatte, weniger Kontakt zueinander gewesen als bei der gemeinsamen Geste - da hätte er sich mehr "verlassen" gefühlt. Bei Einzelgesten seien mehr Zweiersachen entstanden.
Claudia widerspricht.
Tina S Man muß die Gesten über die Distanz untersuchen, manche gehen nur 2,3 m, nicht über 25 - das Zusammenspiel haben wir nur in der Nähe untersucht. Die Schwierigkeit ist ja, wie bewege ich mich zu wem und warum. Man ist meist sehr weit oder ganz nah - Frage der Nähe in der Distanz - und v.a. wie gibt es mehr als einen Adressaten.
Andreas wir handeln fast alle gleich - behandeln unsere Gesten, selbst wenn sie verschieden sind, je nach Distanz gleich. Ist ja vom Inhalt je anders ...
Chris verstehe nicht
Arno fragt nach Energie
Andreas spricht vom Ausdruck/Gehalt der Geste
Arno wir führen alle Gesten mit der gleichen Energie aus
Andreas reagieren nicht auf Gesten der andern, sondern jeder macht halt sein Ding.
Mittlerweile ziemliches Unverständnis, Schweigen.
Arno Ein primitives Beispiel: 2 haben je eine Geste - einer z.B. macht sie schnell - was ist das für Kommunikation - wann kommts zur Angleichung - geht das mit jeder Geste, das muß man bedenken.
Claudia beschreibt unser rhythmisches Einerlei.
Andreas meint aber, in gemeinsamen Gesten weiß er immer ganz genau, wo die andern sind. Claudia verschwimmt dann eher alles, deshalb sei die Entgegensetzung von zwei gegensätzlichen Gesten hilfreich. Claudias Problem ist die "falsche Harmonie".
Arno Es sei ein Trugschluß, wenn man einen Gleichklang produzieren will auf den Einwand von außen, der Rhythmus stimme nicht.
Punkt sei die genaue Setzung von jedem, wenn daraus ein Grundrhythmus entsteht, kann man auch aus dem rausgehen.

Leider Übungen vergessen. Katastrophe.

Donnerstag nach Weltende, 12.8.99
Ohne Arno und Tina Z, mit Maja.
Kurze Besprechung, Arno komme die ganze nächste Woche, man müsse Terminabsprachen machen und klären, was los sei.
Um 15 00 komme Christian Ofenbauer (C.O.). Bis dahin:
Vorhaben:
Zwei Übungen zu Chorführer/Klytaimestra.
Rhythmische Bewegungen unterschiedlicher Art in den verschiedenen Räumen.

Tai Chi

1. Im Segeltuchraum: eckige Bewegungen; 15 min; nie Stillstand. (Sich möglichst eckiger als der Raum bewegen). Ich finde gleich drauf das Ganze irgendwie lustig und extrem schweißtreibend.
Besprechung davon später.

Ofenbauer kommt, alles ist ziemlich locker, er übt mit Claudia auf den Fingern pfeifen und man wartet so rum und vertreibt sich die Zeit. Ißt bißchen was, raucht usw.
Der Vorschlag ist dann, die Räume hinsichtlich ihres Klangs zu begehen - wir gehen aus dem Segeltuchraum in die große Halle - es gibt einen Übertrittsmoment durch das Tor, in dem der unterschiedliche "Raumklang" wirklich zu hören ist - ansonsten dominieren Zivilisationsgeräusche im Unterschied zu dem Sonntag, an dem O. zum ersten Mal da war. Diese sind in der Segelhalle von der Autobahn her weitaus lauter als in der andern. O. erzählt von Nonos Promethé und der elektronischen akustischen Simulation von Räumen - der Simulation eines mehrere km langen Raums, in dem der Hall so langsam wird, daß er Klang "steht" ... Weiteres akustisches Flanieren - Stallgebäude, die Sonne scheint, hören wir? Es findet sich ein Dachstuhl im Stall, wäre ausbaufähig, sehr schön.

Chorübung auf dem Schlachthofdach zu viert - oben ists großartig.

Zeus Chor - O. positioniert uns in unterschiedlichen Distanzen zueinander - das Adressieren ist schwierig, auch das Sich-Hören wegen der lauten Autobahn oben. Ausloten kleinst - und größtmöglicher Abstände (zu klein - zu geduckt - zu groß - zu zerfahren). Wir wechseln auf das untere Dach. Von dort kommt es unten anscheinend gut an. O. beschreibt Hallphänomene vom Dach in die Halle hinein - wenn wir dorthin adressieren, müssen wir die Sprache mehr sperren - mehr Hallraum lassen. Die Dachübung insgesamt ziemlich toll - Differenz von sich hören und die andern extrem weit gespannt - in dem "ins Blaue hinaus" sprechen von oben aus zu denen unten ist eine kaum gekannte Weite und Nähe.
Gegen 17 rein in die Halle, die Brote werden gegessen, ein reges Gespräch im off entwickelt sich, andere hängen rum und warten.

Chorübungen: auf dem langen Gang bewegt sich der Chor - jeder mit einer unterschiedlichen Bewegung - hörend aneinander orientiert nach unten. Ziel ist ein timing, mit Ende des Texts soll man unten angekommen sein. Wie weit kann man den Zusammenhang halten, wenn einzelne sich rauslösen, in die Gatter z.B. gehen - ab wann entsteht aus der Homophonie eine Heterophonie, wann kippt diese um in Diffusion.
Tina S meint, mit dieser Übung wären wir in einer Probe mit Josef schon mal kolossal gescheitert - an der Trennung bewegen/sprechen. O: eine Frage der Übung. Eine Frage der Ehre?

Zum probieren: nicht laut, eine Dynamik unter dem durchschnittlichen Lautstärke. Jeder Ansatz soll ca. 10 min dauern. Der Bewegungsrhythmus soll nicht der Sprechmetrik angepaßt sein. Man soll den "Umgebungsschatten" zueinander ausreizen, nicht zusammenrücken.
1. Versuch mit langsamen Bewegungen ist erstaunlich gut. Aufeinander Hören - d.h. jeder muß jeden hören - als Orientierungsmoment mit der Bewegungsrichtung nach unten strukturiert den Chor auf konkrete Art und Weise.
2. Versuch mit schnellen Bewegungen wird abgebrochen, ist zu diffus, trägt nicht.
3. Wechsel in die Segeltuchhalle, um einen breiteren Raum zu haben, nicht nur die Verteilungsmöglichkeit in einem schmalen Gang auf die Länge hin. Es werden erstaunlich weite Distanzen möglich - selbst als Andreas abdreht in eine entgegengesetzte Richtung, bleibt der Klang verbunden.
Problematisch bleibt die fehlende Dynamisierung im Sprechen, die Beschleunigung z.B. klappt nicht, es ist alles behäbig und spannungslos, die Kommas undynamisch, die Zeilensprünge angeglichen usw.
Andreas meint das Problem ist, sobald man den Text füllt, fällt man aus dem Chor raus.
Eine Frage der Übung? Es ist eine sonderbare Stimmung heute. Mild.
O. geht.

Claudia kommentiert die eckigen Bewegungen:
Frage: wie setzt man sich in Bezug zueinander. Immer dann wird es interessant - z.B. im Schlußmoment der Übung: Andreas und Markus halten eine schnelle rhythmische Kombiantion zueinander, Tina S und ich weiter davon entfernt und langsam aufeinander bezogen. Wie immer also eine Frage vom Rhythmus, der sich nivelliert oder kontrastiert. Claudia räumt die erhöhte Schwierigkeit durch Lukas Innen-Sein ein.

Frage: Was ist Stillstand? - Irgendetwas muß sich bewegen - das kann auch winzig sein.

Frage: die Bildwerdung - Aufgabe: vergrößern und brechen unserer "normalen" Bewegungsform, v.a. der Dynamik stehen - denken - tun.

Folgende Übungen, je 15 min, Maja ist in 2 und 3 mit drinnen:
1. Kleiner Raum, runde Bewegungen
2. Halle mit Gattern, schnell
3. Vorplatz draußen, Zeitlupe

20.15 fertig. Doch nicht - wie versprochen - Karatetraining mit den beiden mim Kampfhund, die da immer ihr Vollkontaktkarate trainieren.
Kurze Besprechung/ Randbemerkungen:

Schwierigkeit bei den runden Bewegungen:
1. Verhältnis im/zum Raum hier am unbestimmtesten.
2. Wie mache ich alles rund - und nicht irgendwas eckig oder gehalten
3. Was ist daraus die Differenz zu dem geraden Raum - gegen den Raum.
Andreas murrt und sagt rund und eckig sei ja immer durchmengt.
Schnell:
1. Mißverständnis: alle Bewegungen, die man macht, schnell, nicht einzelne isolierte.
2. Gut sei, wie auch kleine schnelle Bewegungen die langsame Zeit der großen Halle sehr klar rhythmisierten - die Differenz gestalten. Wie z.B. Majas laufen die Länge öffnet, Markus inmitten der Gatter mit der schnellen Bewegung den Raum durchbricht, neu strukturiert.
Maja meint, in diesem Raum sei normal "schnell" einfach immer noch nicht "schnell" - einfach laufen z.B. Andreas beschreibt Beispiel, als er und Maja gleichzeitig hochgelaufen sind, dadurch wird es schnell.
Claudia meint, die Schnelligkeit verbindet die zerteilte Raumstruktur anders - gibt es Verbindungen unter uns wie z.B. Markus Gatter-Quietschen, Lukas Schreie und Majas Schläge. Dadurch werden nichteinsehbare Stellen des Raums sichtbar, man selber stärker, wo man auf den zentralen Achsen eher schwach ist.

Langsam:
Claudia wollte das Langsame im Außenraum eigentlich setzen zu der Alltagsgeschwindigkeit, die dort ist durch immer durchfahrenden Autos und die Passanten. Angesichts der Abenddämmerungsstimmung war es dann anders - schön irgendwie - und langssames ist natürlich immer dann interessant, wenn man seine Bewegungsrichtung hält, verfolgt, obwohl man nicht hinkommen wird.

Maja noch zu eckig: als hätte man zu Beginn den Raum noch gar nicht gespürt, jeder ist zunächst mit sich und dem eigenen Entwickeln der Bewegungsform beschäftigt. Das wird von innen bestätigt.

Fazit:
Es geht darum, die spezifische Zeit der einzelnen Räume herauszufinden, indem man über gesetzte Zwänge einzelne Aspekte untersucht. Interessant auch z.B., daß subjektiv die "langsame" - Bewegungszeit dreimal so schnell verging wie die schnelle. Man könnte überlegen warum - inwieweit das schlicht eine Kräftefrage ist, oder wenn, welche Kraft da "entspannen" kann, und was demgegenüber in dem schnellen so anstrengend ist, die Zeit so dehnt, jenseits von Kondition.

Aufgaben: die neuen Chorvarianten anschaun und Fatzer. Gegen 21.00 Ende.
c.s


Protokoll vom 05.08.99
verfaßt von M. K.

Wir befinden uns im Gitterraum.
1 Stimmenaufwärmen durch paarweises Abklopfen ( Ton auf "U" )
2 Chorführer-Klytaimestra-Text:
Dreierstruktur ( T. S.-A. R.-T. Z. ); A.R. spricht den Chorführertext in Richtung C. S. mit gleichbleibender Lautstärke. T. S. und T. S. sprechen den Klytaimestratext ( lauter werdend ) in Richtung M. K. A. P. geht währenddessen im Raum herum und meint, daß man den Text noch in weiterer Entfernung gut hören würde. Wobei er besser T. S. als T. Z. heraushören würde.
Zweite Dreierstruktur ( M. K.-C. S.-A. P. ). Erweist sich später für diese Übung als ungeeignete Konstellation. A. R. und T. Z. bilden zu diesen eine Diagonale im Raum. C. S. und M. K. versuchen mit A. R., dem sie mit Blicken zugewandt sind, chorisch zu sprechen. A. P., der zu T. Z. zugewandt steht, spricht den Klytaimestratext chorisch mit derselben. Das chorische Sprechen in den erwähnten Konstellationen gelingt aber meist nicht. Variation: A. R. und T. Z. wechseln die Positionen. Die zu sprechenden Passagen sind für alle dieselben wie oben. Das gemeinsame chorische Sprechen wird noch schwieriger.
3 In einem kleinen Kreis wird paarweise sodann der Chorführer-Klytaimestratext-Dialog ausprobiert. Drei Paare sprechen zeitverschoben diese Textpassage. Die Anweisung für jeden ist dabei den Text nach dem jeweiligen individuellen Duktus ( Rhythmus, Lautstärke ) etc. zu sprechen, Wobei aber die individuelle Färbung des Textes bis zum Ende von jedem Sprechenden beizubehalten ist. Die Kreisformation wird dabei zweimal vergrößert. (Pause)
4 Dreierkonstellation : ( A. R.-T. Z.-A. P ) stehen zwischen den Gittern C. S und M. K. bilden dazu eine Diagonale und sprechen flüsternd den Chorführer-Klytaimestra-Dialog zeitlich versetzt. T. Z. spricht in normaler Lautstärke in der Dreierkonstellation mit dem Körper M. K. zugewandt den Klytaimestradialog, A. R. und A. P. C. S. zugewandt die Chorführerpassagen. C. S. und M. K. stehen sich in Sichtweite gegenüber. Schwierigkeit: Anhaltspunkt für die Flüsternden sind die Mundbewegungen des jeweils anderen den gesprochenen Text kann man vom anderen nicht akkustisch vernehmen. Nur die Bewegung des Mundes wird als Zeichen für die Dialogabfolge vernommen. Der visuelle Moment ersätzt den akkustischen.
5 Chorisches Sprechen: Text: " Zeus, wer er auch sein mag..." ( alle, außer M. K. ). Zwischen den Gittern nimmt jeder eine andere Haltung ein. a) Namen im Text werden durch Schreien herausgehoben; b) alle Chorsprechenden nehmen eine gemeinsame Haltung und Geste ein: Stehen und linke Hand auf linker Wange. Nicht nur mehr Namen werden jetzt durch Schreien akzentuiert auch andere Worte werden durch Schreien, Singen, Flüstern etc. der einzelnen Chorsprechenden individuell hervorgehoben. (Hört sich für mich als Zuhörer sehr gut an); gesangsähnliche Momente bilden sich heraus.
6 Im Gitterraum verteilt bilden jeweils drei Paare drei Achsen. Die Paare stehen ziemlich weit voneinander entfernt. Einer spricht den Chorführertext, der andere den Klytaimestratext. Der Versuch wird von C. B. abgebrochen. Sie meint, daß das Sprechen zu sehr auf die weite Raumdistanz ausgerichtet sei, indem der Sprechende zu sehr die Wörter dehne. Zweiter Versuch : C. B. korrigiert dabei M. K., indem sie ihm die Weisung eingibt, durch das Senken des Kopfes mehr in den Boden zu sprechen.
7 Improvisation zum Chortext "O Zeus, höchster Herr, und du, Nacht voller Huld...": Anweisung von C. B. (L. B. stört dabei): zwei voneinander getrennte Gesten/Bewegungen entgegensätzlichen Charakters ( schnell-langsam ) in der Impro beizubehalten. Die Wege von einem Punkt zum anderen sollen dabei bedacht werden. Auch Geräusche von Außen können Impulse für die Bewegungen sein. Gibt es einen Grundrhythmus und wer bestimmt den ? Raumbegrenzung: Straße zwischen dem Sandhaufenplatz und der großen Halle. Jeder geht dabei einzeln hinein. A. P.: "Paßt auf die vorbeifahrenden LKWs auf" T. Z.: "Laßt euch gute Gesten einfallen." C. B.:" Jeder kann den Text eingeben, wenn er es für notwendig erachtet." C. S. meint sie hätte Knieweh und die vorherigen Übungen waren für sie anstrengend. C. B. schreit L. B. an, daß er nicht in diesem Ton mit ihr sprechen solle. Darauffolgendes Gespräch über die Psychoanalyse ohne L. B. und C. B. C. B. und hinter ihr her L. B. gehend scheinen, den Weg " nach Hause " angetreten zu haben. Nach einer Zeit wird die Improvisation abgebrochen. Gitte, eine Freundin von T. S. kommt und möchte zuschauen. Zweiter Versuch ohne T. S., die jetzt zuschauen möchte. Diskussion nach dem zweiten Versuch: T. S.: Es war für T. S. als Zuschauerin mehr eine Übung als eine Impro, und "Gesten haben sich für mich entleert." und "Es geht nicht, daß A. P. für sich leise spricht, um einen Gang zu machen:" A. P. darauf reagierend :"Das leise Sprechen war eine Übung für mich:" Gitte :"Ich bin ein Kopfmensch und hab oftmals nicht verstanden, um was es geht." Polizei kommt und fragt uns ob wir hier übernachten und wie lange wir hier noch proben würden. Verlassen uns wieder, nachdem C. B. ihnen die Magistratämter nannte bei denen eine Genehmigung für die Proben im Schlachthof aufliegen würden. C. B.:" Manchmal sind die Impulse richtig." z. B. "Arno schreit ( Text ) und T. Z. läuft auf den Impuls reagierend weg:" C. B. :"Ist das Herumstehen nur ein Herumstehen oder hat die Ruhe eine Qualität." C. B. :"Die Gesten als akkustisches Material verwenden." T. Z. :"Man möchte einem Impuls nachgehen aber man muß noch die begonnene Geste abschließen."

Fragestellungen von 11/ 8/99
Was sind die grenzen und möglichkeiten der improvisation ?
-Wie kommt man zu längeren und komplexeren vorgängen
-woher kommen neue impulse ? wie sind diese dynamisch verküpfbar ? (immer tendenz zur harmonisierung/ reproduktion von missverständnissen )
- wo " klemmt es "in der improvisation , und warum ?
+ was ist ein vorgang ?
+wann erstarrt eine geste im bild ?( wenn die zeitliche strukturierung eine geste aussetzt und sich nicht auf jemanden anders bezieht , somit keinen gestischen konflikt aufmacht / sich selbst genügt, dh. Nicht den gesamten raum bestimmen will , dh eine beschäftigung ist für den darsteller, und er froh darüber , aber keine konsequenz darüber hinaus will/ eine geschlossene geste ist , die keine körperlichen anknüpfungspunkt für andere bietet , sich nur über eine richtung und eine achse definiert)
+ veränderbarkeit der geste
a) durch rythmische strukturierung , die zeit und raum
bestimmt b)komposition im raum , wo setze ich die geste zum raum und zu anderen
c) welche geste setze ich in welchen raum
c.b.

Donnerstag, 12.8.99
Beobachtung / Überlegung

4 Bewegungsmomente im raum - kein stillstand, kein text :
a. struktur des raums verdoppeln, durch eckige bewegung.
b. runde bewegung
c. schnelle bewegung
d. langsame bewegung

1. zu a. zum teil sehr unpräzise bewegungen, die weder räumlich noch gestisch definiert waren. Das nicht-verhalten-zu-jemandem/einander/etwas macht bewegung mechanisch, monoton, kraftlos. Frage : wie setzt man eine bewegung in den raum, wo setzt man sie, und wie operiert man mit/gegen die struktur des raums.

Über die verbindung zwischen andreas und markus (später auch tina) die sich im "boxen" räumlich und gestisch zueinander verhalten, entsteht eine spannung die dann gegen/mit der struktur des raumes arbeitet. die verbindung verständigt die raumstruktur über ihre verdoppelung. Was ist bewegung im raum und wie verbindet man sie - wie verändert sich die bewegung durch die verbindung, wie verändert sich die zeit und der raum. Guter moment als tina die bewegung von markus aufnahm - verlängerung der bewegung, rhythmische verzerrung.

Beobachtend festgestellt, dass eher individuell gearbeitet wird. Möglichkeit verstehen in der zusammenarbeit zu zweit oder zu dritt, andere bewegungsmomente oder auch schwierigkeiten der übung untersuchen zu können, die alleine vielleicht gar nicht möglich wären. Bewegungen sind oft rhythmisch einheitlich, auch im ensemble eher gleichmässig.

2. zu b. sehr schwierig zu definieren, wenn alle immer so nahe aufeinander sind, ohne dass sie unbedingt miteinder arbeiten. Runde bewegungen sind eher isoliert vorgekommen, als dass sie räumlich gesetzt wurden. Was ergibt sich aus einer runden bewegung gegen eine vertikale. Wo sind die reibungsmomente, zwischen raum und bewegung, über die man vielleicht wieder mehr über den raum und über das "runde" verstehen könnten. Nebenbei eine frage : wie kann man die aktivität des suchens immer mehr und mehr spezifizieren, über wissen, konzentration, neugierde und wie arbeitet man zusammen, wenn man alleine nicht weiter weiss.

3. zu c. schnelle bewegungen gegen einen zeitlich langsamen raum. Es scheint mir, als müssten individuelle aktionen eher sehr schnell sein, so dass sie gegen die raum-zeit dimension wirken, gemeinsame bewegungen können rhythmisch unterschiedlich sein. Die 3 er konstellation zwischen markus, tina, maya und andreas der regelmässig immer wieder auftauchte, hat einen rhythmus gesetzt aus den unterschiedlichen aktivitäten die sich gegeneinander stärkten (einzelne bewegungen wurden kraftvoller) die wiederum das ganze, die konstellation neu rhythmisierten, kräftiger machten. Schon zu zweit verdoppelt man die kraft jeder bewegung, sofern man die bewegung hält und sie konsequent weiterführt. Wie kann man die bewegungen neu rhythmisieren über die verbindung mit dem raum. Auch zitate und geräusche, beispiel von lucas aktivität (schreien und türe schletzten) konnten das kraftpotential einer bewegung über eine gemeinsame verbindung stark machen.

4. zu d. was ist spannung. Wann wird eine bewegung zum bild, wann zu einem vorgang. Wie kann man den raum öffnen über die verschiedenen räumlichen punkten die wir gesetzt haben. Beim slow gibt es ja auch rhythmische unterschiedlichkeiten die über eine kommunikation mit den anderen aufbauend konstruiert und neu hergestellt werden könnte. als verständigung für die schwierigkeit der form im raum gedacht.

5. mit christian, räumliche klangstrukturen untersuchen.
m.b.

15.8.99
in den untersuchungen zu den 4 bewegungsmomenten, stellt sich immer wieder die schwierigkeit wie man eine bewegung setzt und ausführt, sodass sie eine konsequenz für die anderen hat. Das heisst, dass eine bewegung nicht isoliert sein darf, sie soll keinen selbstzweck erfüllen. Wenn sie kraftvoll gesetzt ist, und mit aller konsequenz durchgezogen, dann wird man auf sie reagieren müssen (rhythmisch, gestisch, weiterführend, brechend) - wenn sie eingreift (räumlich, gestisch, rhythmisch), einen adressaten, eine richtung / ein ziel behauptet, wird sie zum widerstand für die anderen. Was heisst eine bewegung setzen in den raum, mit oder gegen den raum arbeiten. Die genauigkeit einer geste bedingt ihre konsequenz. Bei solchen übungen braucht es eine strenge konzentration um diese verschiedenen punkte zu koordinieren. ein sauberer vorgang kommuniziert.

Aufgefallen beim 1. Versuch : schnelle bewegung.
die 3 er konstellation, arno gegen markus von hinten springend und tina gegen markus von vorne, hätte man als möglichkeit nehmen können, die "aktion" zu vergrössern - indem man sie aus der distanz oder aus der nähe, auf verschieden arten und weisen, weiterführend kommentiert. So wäre vielleicht auch die auflösung dieses "paktes" organischer, ein gemeinsam organisierender vorgang und so eine erinnerung.
Es gab ein moment indem alle spieler die gleiche bewegung ausführten. es schien mir als ob diese gemeinsame aktivität nicht wahrgenommen wurde - ausser räumlichen (aus der vorgesetzten raumstruktur) wurden keine verbindungen neu hergestellt. So blieben die bewegungen individuell, monoton, kraftlos. aber das potential war da, stark spürbar. Über eine gemeinsame kommunikation hätte man die einzelnen bewegung 6 mal verstärkt und ein potential / kraft in den raum gesetzt. Die energie die daraus entsteht hätte man später wieder transformieren können : die bewegungen der spieler waren mehr oder weniger einheitlich, hätte man rhythmisch verändern können um das ganze nochmals neu zu differenzieren. über die gemeinsame kommunikation gestaltet man den raum immer wieder neu, jede aktivität wird verstärkt, vergrössert.

2. versuch : runde bewegungen
wie kommt man von einem 2er zu einer öffnung für einen dritten spieler. Warum werden bewegungen oft kleiner wenn man sich zu zweit verhält. Eigentlich sollte der partner ja einen widerstand sein zu seiner eigenen aktivität.

Wie verändert man die vorgesetzte raumstruktur über runde bewegungen. Ist es möglich die einschränkung des raumes alleine zu konfrontieren oder braucht es dafür ein gemeinsames unternehmen.

3. versuch : eckig
wie kann eine bewegung in eine andere übergehen auf organische art.

4. versuch : langsamkeit.
Verbindung hier waren echt schön aber warum sind sie oft zwischen nur 2 spielern. Verbindungen zu dritt können interessant sein, 3-D greifend.

Chorprobe szeiler. Sprechen und bewegung sind getrennt. Claudia und maya als adressaten.
Das sprechen fand ich im allgemeinen sehr schön, manchmal kräftig, manchmal etwas nachlassend. Der nahe zusammenhang der spieler erzeugte ein kräftiger klang. Präsenz jedes körpers manchamls schwach. der blick des spielers und die richtung des sprechens, müssen individuell genauer werden so dass jeder die kraft des chores stärkt.

Impro - kiesplatz
Die körperliche chorkonstellation ergab sich auf dem kies, sitzend. Zu markus und arno kamen dann chris und tina hinzu, später andreas und tina als letzte. Die chorgruppe als solches hat sich über ein "hinzukommen" jedes einzelnen entwickelt. Mit andreas ganze vorne, auf den platz schauend, hätte sich der chor auf ihn zu entwickeln können. Das chorgebilde als solches kann auch über eine aktivität jedes einzelnen entstehen. Im spannungsfeld zwischen den sitzenden spielern und andreas hätte sich somit der chor zusammengestellt. Eine gemeinsame aktivität zum chor hin.
m.b.

Montag 16 / 8 / 99
Nach dem training ergab sich wieder ein längeres herumgehänge. Konzentration jedes einzelnen spielers für chorproben und improvisation scheinen nicht vorhanden zu sein. man hat die tendenz während des chorsprechens sich stark ablenken zu lassen - dies zeigt sich über körper und gesichtsausdruck. Es ist nicht der blick der das sprechen jedes einzelnen mit den anderen verbindet. Im kreis stehend, sprechen die spieler gegen das zentrum - dort entsteht der klang. über den blick zu einem anderen hin verändert sich die richtung, die kraft und haltung des sprechens.

In der impro beginnt andreas als erster, der sich nah bei der mauer auf den kies legt. Arno reagiert auf der stelle mit einer beobachtergeste die ganz natürlich angesetzt ist und die er später noch sehr gut hält. Chris wippt und mit claudias aufforderung so weiterzumachen hält sie es auch für eine weile bevor die bewegung zu einem krampf wird, zu einem körperlichen anstrengenden unternehmen, das somit jegliche aktivität verliert. Die bewegung stirbt mit dem auftritt des mechanischen. Tina durchzieht den vorplatz mit einer diagonalen (eine aktivität auf die auch chris hätte reagieren können), stört immer wieder die position von arno um auf ihm über die mauer schauen zu können. Das hin und her gehen von tina kontrastiert, über die verbindung mit arno, die ruhige position von andreas auf dem kies. Es entstehen immer mehr dreiecke, tina-chris-arno, tina-arno-andreas, später mit tina sitzend und reagierend auf das kommen von der anderen tina, dann das zeichensetzen von markus. Jeder hat ne aktivität die sich auf die anderen bezieht, doch selten ensteht eine grössere bewegung aus den zahlreichen verbindungen. Wie kriegt man die punkte die man zusammen entwickelt hat nutzbar - wie kann jeder spieler aus diesen punkten kraft schöpfen und eine veränderung schaffen. Das "nicht-grösser-werden" macht die verbindungen kraftlos, mechanisch, die wiederum den raum und die spannung extrem verkleinern. Man bleibt oft hängen im kontakt zu den anderen -warum und was heisst das.

Es fehlt an energie, an einer sprengkraft, die es ermöglicht diesen ganzen kieskomplex mal zu zerlegen, zerstören. Es scheint wie man sich in diesem proberaum komfortabel einrichtet. Man setzt sich dazu aber man setzt nichts dagegen. Wie schafft man es den raum durch bewegung/verbindung/aktion nutzbar zu machen und wie kann man ihn verändern sodass er nicht einfach ein bühnenbild fürs spiel ist. es droht keine spannung hier.

Interessant fand ich die wiederholung von chris´s erster bewegung, das "wippen", die sie auf dem kieshügel wieder aufnimmt. Nur der weg dahin, über ein undefiniertes zusammenstossen mit andreas, war so irrsinnig kompliziert und anstrengend. Wie macht man einen weg interessant, und wie bleibt man beim gehen in bezug auf den raum und die anderen. Das beharren auf etwas und die konsequenz mit der man etwas ausführt bestimmen die haltungen für das nächste, was dann kommt.

Bewegungen sollen gestisch definiert werden. Was macht man da, was oder wen adressiert man, was ist die notwendigkeit dieser ausübung. Setzt man eine bewegung die man auch länger halten kann, also eine die einen längeren atem hat, dann besteht die möglichkeit sie aufzubauen, sie neu zu konstiuieren, mit ihr als "instrument" zu arbeiten. Bewegung und aktion sind material für den agierenden und für die anderen zugleich.

2. versuch im segeltuchraum. Einmal chor, kann er sich zum anderen raum hinüber bewegen. Jetzt im raum drinnen, verliert der körper an spannung und bewegung. ausser der tina (hin und her gehen auf der barre) "verstecken" sich die spieler in starren positionen, die der rigiden raumstruktur machtlos, ausgeliefert gegenüberstehen. Der weite blick von aussen konnte man nicht in den raum hineinzuiehen, alles wird kleiner, dunkler, depressiver. Die einschränkung des raumes jetzt bestimmt den horizont - die erfahrung von aussen wird nicht innen genutzt ( zb das weite als widerspruch zum engen).

Erster guter moment für mich des gemeinsamen tuns war das chorgehen (nach der auflösung des sprechens zur wand hin). Andreas hat die chorbewegung angesetzt die tina sofort übernahm. Die bewegung die als einzelne eher schwierig und ungenau vorkam, verstärkte sich sofort über ihre vervielfachung. Man spürte auch, dass die bewegung jedes einzelnen nie so präzise sein könnten wie im chorgehen (vorallem mit einer eher komplizierten bewegung die andreas ja auch zu beginn mehrere male korrigieren musste), dass heisst, dass der chor wiederum jeder einzelne präzisiert, was ich als punkt sehr interessant finde. Diese gemeine aktivität verdichtete die aktion, die energie, und das raum-zeitgefühl von vorher, spitzt alle formen zu (raum, chorgestus, rhythmus, spieler) - ein kranker chor versucht sich ins freie und weite zu kämpfen- einmal angekommen an der tür war das stehen und nach draussen schauen sehr gespannt, sehr gut gehalten. Der fehler war natürlich mitzugehen, als andreas den "gemeinsam erfahrener raum und weg" nun alleine zurückläuft, schnell und gezielt. Die auflösung des chores hier geschah über seine zerstörung. Im moment wo alle sich zu andreas umdrehten, war die spannung die sich langsam während des chorgehens aufgebaut hatte (die spannung hat sich zeitlich aufgebaut und so ihre intensität verstärkt) völlig weg. Frustration kommt dann auf, wenn spieler aus irgend welchen gründen einfach mitgehen, sich von den anderen und schliesslich von der mehrheit mitziehen lassen. In einem solchen fall wie dieser wäre es ja leicht gewesen sich dagegezusetzten. Man muss vielleicht manchmal sein eigenes verhalten oder seine reaktionen stören - so kann man erfahren was dann geschieht - ein spannungsfeld wäre automatisch vorhanden : einer der etwas anderes behauptet und sich mutig gegen das mitziehen wehrt. Manchmal spürt man die schwierigkeit etwas zu setzten weil es kraft braucht dies zu halten - dieses moment hat potential, für sich selber und die anderen. Man will sich also permanent fordern...
m.b.

18/8
das chorsprechen von fatzer fragmenten war anstrengend und unkonzentriert. Der text war nicht wirklich present und eine initiative miteinander zu arbeiten (sich also auch zu korrigieren), präziser zu werden im tun, blieb aus. Claudias abgang hat keine wirklichen veränderungen oder konsequenzen provoziert. Die erschöpfung wurde ausgetragen. Und ich denke mir, die arbeiten ja alle noch nebenbei ... somit könnte ich mir die anschleichende müdigkeit immer wieder rechfertigen was mich jedoch nicht auf einen weiteren punkt bringt. Frage auch wo die lust steckt, die sich während den proben nie richtig zeigt. Der fatzer text empfand ich immer als katalysator. er stimuliert, reizt, provoziert und zwingt mich immer wieder zu einer strenge für körper und sprache. Die wirkung des textes auf die spieler hier konnte ich einfach nicht einschätzen. Ist es verzweigflung, müssigkeit, desinteresse, erschöpfung ? warum so kraftlos, so lustlos. Das chorsprechen im stehen später hat den zustand eigentlich nur erweitert. Sie standen genauso rum wie sie vorher sassen.

Das training von loulou fand ich spitze - es hat meine konzentration und körperliche spannung auf einen anderen punkt gebracht im unterschied zu anderen trainingsformen. mit dieser konzentration am schluss des trainings war ich bereit direkt in eine impro überzugehen. Atemübung von christian empfinde ich notwendig als vorbereitung für chorsprechen. Man beginnt bei sich selber (wird sich seines atems bewusster) und arbeitet dann gemeinsam. Wichtig wird dann, einen gemeinsamen atem zu finden. (szeiler´s atemübungen sind chorisch).

Wiederholung des versuchs, sich akkustisch miteinander zu bewegen. jeder setzt eine bewegung. bei diesem versuch waren individuelle haltungen im vordergrund, die eine gemeinsame aktivität verhinderten. Jeder war zu sehr bemüht um seine bewegung und das sprechen, so dass spannung vollkommen fehlte. jede übung in dieser arbeit setzt ein chorischer moment, ausser claudia würde etwas ganz bestimmtes von jemandem wollen. Ansonsten ist die vorraussetzung das zusammenarbeiten, das sich über variationen oder themen differenziert.
Die aufforderung von christian an claudia und mich, sich anders zu bewegen und den "chor zu stören" hat die übung konkreter gestaltet. Da wurde mir ja auch klar, dass wenn ich nicht mitspreche, mein verhalten klar gesetzt sein muss. Die eher schnellere und permanente bewegung gegen die langsamkeit der anderen schuf widerstand. Auch das chorsprechen habe ich als adressierter empfunden.

Das protokolle lesen hat keinen eigentlichen interessanten moment gefunden. Wenn man keinen austausch eingehen will, sehe ich da keinen sinn fürs vorlesen. Jeder kann den ordner nach hause nehmen und die protokolle alleine lesen - wenn man dies gemeinsam tut, sollte die aktivität eine andere sein... denke ich. Produktionszeit für fragen, erläuterungen, unverständlichkeiten, schwierigkeiten etc. - in der man gemeinsam zu formulieren lernt und die arbeit zu beschreiben versucht. Das war auch manchmal eine frage an claudia und mich, wie soll oder kann man über diese arbeit sprechen. Wie stellt man sie jemandem der fremd ist vor? Was sind die regeln, wie arbeitet man, wohin arbeitet man etc. diese festgelegt "gespräche" am mittwoch haben reflexionscharakter, als erweiterung des prozesses gedacht.

Mir war es unklar warum es so wenig vorschläge für die aktion gab. die aktion habe ich als möglichkeit für euch, für die arbeit verstanden - ein erster versuch (und eine provokation) mit "zuschauern" und energien von aussen umzugehen. Es ist auch eine erleichterung einmal eine verbindung zu schaffen und nicht immer unter sich, in sich zu arbeiten. Man kriegt doch einen neuen anhaltspunkt wenn man sich mit einem "fremdkörper" konfrontiert. Ich seh das eben viel mehr als eine chance. Warum die angst über seine definition? Andreas sagte dass er lieber keine aktion macht als dass er sich lächerlich zeigt. ihr habt von freunden gesprochen, die kommen werden, warum denkt man dann als "zuschauer"? ausser, dass ihr sagen würdet : wir kommen einfach her und schauen mal..., ist alles andere eingentlich ok. wenn es um eine "aktion" geht, die man "choreographieren" will, wie das beispiel von andreas (text über lautsprecher im raum.spieler hängen von der autobahn) dann kann dies spannend sein, als eine moment von spass und etwas "anderem". Trotzdem verstehe ich den einwand von tina se, dass solches nicht wirklich mit der härte/strenge und schwierigkeiten des tagtäglichen probens dieser arbeit zusammenhängt. Würde man solche aktionen wünschen, als zeitlicher rhythmus im arbeitsprozess angesagt ( zum beispiel : veröffentlichung einmal pro monat oder alle 2 monate), so könnt man mit der zeit , probenaktionen und "angeordnete aktionen" (bsp., andreas) machen. Bei den letzteren, wäre auch die möglichkeit sich auf geschehnisse (politisch, sozial etc) oder die stadt wien zu beziehen. Lust zu was ist eine gute sache. Lust das ist ?

Mit allem respekt schaue ich euch zu bei den proben. Eure konsequenz bedeutet viel mehr als meine beschreibung der arbeit in den letzten tagen.

Überrascht war ich als ich manchmal so ne unlust feststellte (unlust und nicht zweifel) - betreffend zusammenarbeit, autonomes handeln, eigeninitiative- die mir so fremd war. obwohl ich nicht in der arbeit bin und somit keine verantwortung und konsequenz tragen muss, kann ich mir nur schwer vorstellen diese arbeit ohne totales engagement zu tun. meine provokation - mein problem. Es gibt da keinen mittleren weg.
m.b.

19/8/99
fatzer
textsprechen
aus der gemeinsamen atemübung heraus gruppierten wir uns zu zweit (hände auf brust und rücken des partners). Einzeln sprachen die spieler je ein fragment. nebst der krassen schwierigkei
m.b.

Sonntag, 29.8.
Treffen erst um 15°° am Schlachthof, wegen der Ausnahmeprobe freitags und Tina z. hat dazwischen auch noch im Museum sein müssen...leicht aufgekratzte Stimmung, nicht zuletzt wegen der für 20°° erwarteten Öffentlichkeit; was werden wir tun? Die Diskussion letzten Mittwoch drehte sich zum Teil auch darum...aus purer Lust: eine Aktion. Was ist das aktionistische an unserer Arbeit im letzten halben Jahr? Mich hätt ja z.B. interessiert, verteilt den Inhalt unserers Ordners vorzulesen...oder politik- und kultur artikeln als Texte zu behandeln, wie wir´s auch mit fatzer od. orestie tun. Andreas hat z.B schon erfahrung mit Zeitungen und Öffentlichkeit, Tina z. meint, man könne nicht aus einer Zeitung lesen und noch adressieren oder den Text überhaupt, da keine Kenntnis von ihm, laut sprechen...claudia hat erfahrung mit "ordner" vorlesen, meint, das kann sehr leicht peinlich werden, kommt nie wirklich nach außen (der ordner: unser Innerstes?!), dem Publikum fehle jede Grundlage, wir hätten nicht nur unsere Suppe gekocht und ein "fremder" könnte sich in ihr suhlen, daran riechen, etc., sondern würden dann lediglich selbst in ihr baden. Ich hätte das sehr ehrlich gefunden, vielleicht ist es tatsächlich zu früh, oder vielleicht gehört das dann eher ins Museumsquartier... Was werden wir also tun? Jede Menge Scherze, Schnapsideen; fest steht: Johannes Mathias Pernerstorfer wird die Säulen in der großen Halle der Reihe nach rauf und runter klettern...
Taichi; drei mal 24-Formen
Alleine Atmen; sich gegenseitig an Brust und zw. den Schulterblättern haltend, also sehr eng im Kreis stehend: A 20, in fünf Abschnitte geteilt (wir sind 5; Arno kommt ja erst wieder nächsten Sonntag): einer macht alleine einen Abschnitt, die anderen verhalten sich akustisch dazu, mit Lauten, Worten/Passagen; anfangs seltsam: andreas brummt, will Tina z. im "Abschnitt machen" unterstützen?, ich mach 2 mal wie ein aufgecheuchtes Reh (?), Chris und Markus machen gar nichts (?, summen, brummen?); bald wird's interessanter: Tina z.: erster Abschnitt, andreas immer so: ja, jaja, ja, ich anfangs auch: ja, jaja, dann: nein, grell gegen andreas gesetzt, chris und markus: Worte, Textfetzen. Zum Schluß ist die Übung richtig lustig: markus macht sehr konzentriert 5. Abschnitt, claudia korregiert ihn irgendwie andauernd, er hält seins, claudia ihr korregieren, wir"stören" fürchterlich; ich find´s lustig.
Dann ist bald 18°°. Wir reden noch bißchen; es wird eine Impro werden, es geht noch um das wo?, wird es regnen, wenn ja? Wir beginnen um ca 18:45 am großen Platz vor den Hallen, samt Autodesinfektion und dem Platz rechts neben ihr und dem länglichen zwischen der großen Halle und dem Beton-kiesel-raum. Wir beginnen mit A 9, wenn ein neues fragment, dann gibt claudia es ein: A 20, B 28 oder B 27. Wir machen nur A 9 und B 28, zufällig 2 mal abwechselnd...

Montag, 30.8.
Den gesamten Tag geredet über gestern: was wurde uns erzählt, wie ist es uns innen ergangen?
Irgendwie war´s eigentlich scheiße, viel zu unruhig, wir haben uns fast ausschließlich akustisch "verständigt", was heißt: so viel Text gemacht in einer Impro wie noch nie, wenn wir was miteinander zu tun hatten, dann schlugen wir uns (was aber auch ein bißchen an den Fragmenten lag)
t.s.

Protokoll Mittwoch 30.8.99
Bin um halbeins am Schlachthof - Vorbereitung praktisch und "mental" fürd Karatetraining, A 20 Text lernen. Zwei Gestalten mit Handy - stilmäßig zwischen Raver und Hool - besichtigen das Gelände, ich frage sie, sie gehen zu einem "Dreh", wo sie Polizisten spielen sollen. Der ist dann auch in der Halle - "aber nur diesen Tag" und ob wir nicht Schaulustige darstellen wollen... eine low-production namens "Verdammte Helden"...

Gestern hat Loulou angekündigt, wie könne nicht mehr soviel Zeit investieren, ein neuer Deal muß her: alle zwei Wochen nur oder abwechselnd zahlen.
Habe den Ordner durchgeschaut, sehr zerstreut das Ganze, eine Wiederholung von Übungen, Kommentaren, zu lose und irgendwie trist. Verhältnis Reflexion/ Praxis zu klären bzw. zu entwickeln. Ein andauerndes Hin- und Her zwischen Selbstsetzung (der Arbeit) und Forderung aus "dem Ordner" an die Arbeit. Ich muß von der Wirrnis weg.
Nach dem Sammeln um halbzwei kurzes Hin- und her: macht man was oder diskutiert man anstehendes gleich; Loulou ist krank und kommt nicht. Arno kommt auch nicht - Andreas kündigt an, daß Arno jetzt zwei Wochen nicht kommt und "dann mal schaut".

Also diskutiert man gleich, über mögliche veränderte Arbeitsorganisation zwischen der Koordination der äußeren Verpflichtungen und den Bedürfnissen der Arbeit.

Claudia fragt, ob man in Blöcken arbeiten könne und dann länger frei macht, auch zum Geldverdienen.
Tina S meint, ihre Verdrängungsmechanismen greifen nicht mehr richtig - das Verhältnis "Kraft/Arbeit" hält kaum mehr. Sie habe bislang immer alles hintangestellt und Möglichkeiten abgelehnt, irgendwann wird ihr das auf den Kopf fallen. Arbeitsblöcke dazu keine Lösung.
Tina Z fragt nach dem Pohl-Artikel und nach Geldnachrichten. Wie kann man dieses Feld besser organisieren?

Andreas spricht von zunehmender Anstrengung und Selektion von Interessen - er wolle sich im Protokollieren üben, arbeitet man in Blöcken, ist klar, daß dazu keine Zeit bleibt, neben Arbeit und Text lernen. Andererseits sei der Versuch, 6 Tage am Stück zu arbeiten, interessant.

Ich frage, ob man das nicht entzerren kann und in längeren Pausen z.B. Zeit hat für Materialaufbereitung und eine Art "Restorganisation", z.B. Textarbeit.

Einwand, daß das eine andre Form sei, die aktuellen Protokolle nicht berührt.

Tina S beschreibt ihre Genervtheit von "immer um halbzwei arbeiten" bis in die Puppen, danach sei nichts mehr möglich zu machen.
Claudia denkt an den Winter und die Tatsache, daß es dann dunkel und kalt wird.
Tina S ist dafür, daß keiner Arbeiten Gehen soll, man um 10 beginnen kann und dann um eins schon was gemacht habe. Das sei allerdings kein konstruktiver Vorschlag.
Tina Z: Man landet halt immer wieder am selben Punkt, nämlich kein Geld zu haben. Ob es nicht wenigstens versteckte Nachrichten gebe? Schließlich habe die Kabelwerkfabrik von Stöffl grade 2,5 Mill bekommen.

Gespräch über dieses Projekt, die Möglichkeit vielleicht im Winter dort zu arbeiten, was uns das bringen kann.

Organisatorisches:
Ergebnis: Blöcke wie ein Monat Arbeit - zwei Wochen frei gehen ökonomisch nicht.
Man bleibt also bei einem flexiblen 4-Tage-Rhythmus mit Verschiebungsmöglichkeiten.

"Urlaubsplanung" - Einigung Andreas, Claudia frei vom 19. - 28. 10.99.

Grundsätzlich meine ich, man kann offenbar immer nur kurzfristig planen, im Moment für September - mit Tina S Drehtagen, Arnos Ding, Tina Z "Freizeit" usw.
1. und 2. September frei (Arno nicht da, Lukas Einschulung) - Verschiebung, dafür die nächste Woche 6 Tage. Ich greine, weil ich Besuch bekomme - das kommt später nochmal und man einigt sich auf zwei mal 5 Tage.

Tina S grundsätzlich: Sie müßte mittlerweile eigentlich alles machen, wofür sie Geld bekommt - schlägt andauernd alles ab - mit welcher Perspektive? Auf welchen Punkt arbeiten wir hin? Auf die Geldentscheidung?

Claudia freut sich zunächst auf die Aktionen - denkt an eine Veröffentlichung spätestens Nov/Anfang Dezember - bis dahin sei es allerdings ziemlich unabdingbar, daß in Bezug auf Geld Klarheit herrscht.

Tina S: "Bis dahin" sagten wir schon lange - für sie würde es immer schwieriger, sich das als "Beschäftigungstherapie" zu leisten.

Claudia fragt, ob es möglich sei, sich auf etwas zu einigen und das dann zu halten. Für sie sei ein oben genanntes Veröffentlichungsdatum ultimativ - dann in einer Regelmäßigkeit fortzusetzen.

Debatte um Leute, die man kennt, die Geld bekommen habe, Antragsdauer, Projektformat usw.
Claudia beschreibt wiederum die Schwierigkeit und die Unterschiede - der Schlachthof als kein Theaterort - das Konzept der Kabelfabrik stadtteilorientiert, soziale und kulturelle Aufwertung usw., verschiedene Projekte, dann Steins Faust dort ...
Tina S sagt nochmal, daß 100 Schilling Jobs am Di und Fr für sie keine konstruktive Art wären, mit ihrem Schuldenberg umzugehen - und daß ein weiteres halbes Jahr so nicht geht.

Claudia meint, diese Schuldenaufzählungen bringen auch nichts.

Tina S beschreibt die Folgen daraus für die Arbeit - man wird dadurch einfach schwach.

Claudia setzt das zu den 2 Jahren Dauer ins Verhältnis - die Verbindung von Leben und Arbeit auch eine Qualität - eine derart lange Dauer wäre in der Weise, mit der sie bisher Erfahrungen gemacht hat, gar nicht möglich (ohne freie Tage arbeiten usw.) Es gehen mehr Sachen in den Prozeß ein, wenn man das verbinden muß.

Andreas meint, praktisch, wir sollten den September planen, dann weitersehen; in der finanziellen Scheiße seien wir alle - dann kann man weitersehen, zumal man nicht weiß, was mit Arno ist (der um 5 kommen wollte) - vielleicht seien wir dann zu fünft.

Claudia fragt, ab wann es nicht mehr geht - eine Frage des Kerns - d.h. ab wann ist man nicht mehr arbeitsfähig, wenn jemand fehlt. Andreas meint, daß es für den Fehlenden ja eh am beschissensten sei.

Nochmal Termine (ich wegen Jens) - Tina Z findet das Herumgeschiebe zum Kotzen - man könne es nicht immer allen gleich recht machen und es ginge unsäglich auf die Nerven.

Nochmal Zeitplan, Einigung auf Oktober (s.o.) frei - dann durch bis Veröffentlichung:

zurück zur hauptseite