TheaterCombinat

Arbeitsjournal

10.3.99. 
erster tag,nach 10 tagen pause
chris hat den bus verpasst- sie wird es nie begreifen. Susanne und tina kommen erst ab sonntag
arno ist da- angenehm.alle guter dinge,monou ist gestresst( soll sie doch gehen , dieser psychokram interessiert mich nicht mehr) luka ist jetzt für 4 wochen dabei,ich bin gespannt,denke für ihn ist es interessant . josef kommt zu spät. Die sonne scheint , keine ahnung was man tun sollte.

Der lange chortext ist mir unerklärlich- wie man diese passage sprachlich halten kann ?
Die oskar werner übertragung der orestie ist ein zugewinn -scheint nun ähnlicher fatzer, aber sprechrhythmisch gebaut und nicht nur zum lesen konstruiert mit antiken schleierverständniss des 19.jahrhunderts. scheint alles neu . tina s entwickelt ein gefühl dafür, bernadette besser
Luka meint ,er versteht im chor was sie reden aber nicht was sie sagen, den sinn , es wär so fremd-
Mir geht's genauso. Zum teil von schönheit und mechanik der wörter angetan, aber selten assoziationen. verhältniss von sprecher und gesprochenem ,sowie gesprochenem und zuhörer
bisher völlig ungeklärt . wie wird fremdheit zur reibung und nicht zum zurücktretenen staunen?
Veränderter kontext heute zu 80ziger jahren. Wie ist dies ,auch über konflikt von josef ,anreicherndes material zu jetzt, auch der unkenntnis?( vergl brecht dialog 1998 , s. der abend der stückeschreiber)
c.b.

13.03.99
zwei tage gearbeitet. Textarbeit chor- einzeln durchgegangen,vor der autobahn.
Versuch zu dritt thai- chi zu leiten- eskalierte in diskussion über verantwortlichkeit diesen training gegenüber mit bernadette.sie vergaß dabei verantwortlichkeit gegenüber der konkreten situation .textgefühl kommt auch aus zuhören. Versuch :andere chorische bewegungsformen ausser gehen. Gefahr : wenn chor sich teilt ,akkustisch
Verbindungen herstellen. Bei unfällen, diese bewußt nutzen-für szenische behauptungen ,trotzdemchorische textbehandlung.
Heute treffen nochals mit manou,laviert sich völlig unverständlich aus der affäre. Warum keine klare haltung?
Will drei monate zuschauen einmal die woche, dann drei monate mitarbeiten.aber warum - ich völlig genervt.
Ciao manou !
c.b.

14.03.99
alle arbeitskonflikte landen bei josef und mir. Bei der frage ,ob wir zusammenarbeiten sollten. Ich habe ständig das gefühl, dass ich mit einem streß konfrontiert bin der nicht der meine ist. Es gibt wenige möglichkeiten der entspannung für mich,oder physisches wohlbefinden.ich schlafe sehr scchlecht.der weitgefasste arbeitsbegrifflähmt mich in der ausführung. Ich kann theatral arbeiten, der rest interessiert mich nicht- da ohnehin alles in der probe verhandelt wird.ich habe dass bedürfniss wieder nach meinen instinkten zu reagieren ,anderes greift mich an , macht mich schwach. Ich komm nicht zu meiner kraft, ich steme gegen zu vieles immer sachen und laufe dabei aus. Josef und ich sind gerade erhöhte belastung , aber keine unterstützung. Seine infragestellungen lähmen mich

Training war sehr gut. Chorisches bewegungsmaterial suchenwar draussen erst schwierig, dann gut , drinnen eine kathastrophe, zerfall in individualismus und eintöniges tempo.innenraum und schwindendes tageslicht machte sofort ein zähes bleierndes tempo ,das sich installierte und nicht mehr irritierbar schien.probenende ohne sahnetörtchen.
c.b.

22.3.99
klärungsbedürftig scheint die textbehandlungsfrage.mißverständnisse:wir sollen möglichst nichts verstehen ,es geht nicht um sinn. sind auszuräumen.
die differenz zu klären zwischen einen text im sprechen zu erklären( unterstützt durch sinnbetonungen :" das ist ein wichtiges wort -also betonen " damit sind wir sofort bei den interpretationsfragen)und einen text im sprechen zu denken( wozu man ihn verstehen muß)- gleicher unterschied :wenn ich ein vorgekautes stück fleisch verdauen soll,oder etwas in den mund nehme , merke es ist fleisch,es zerbeisse,mit speichel anreichere und dann in den magen flutscht.unbedingt auf den aktiven vorgang im sprechen zu beharren.( ebenso :suchendes verstehen im sprechen)- somit aktiver vorgang beim hörer möglich.
wie möglich verständniss zu erwecken :text als gestisches material,dass aus dem rythmus rauszuarbeiten ist. plump formuliert: rythmus ist bereits " interpretation"-es gilt ihn zu finden.
rythmus ist nie reine form ,sondern rythmisch strukturierter gedanke.
-dazu geschichten von herrn keuner -über form und inhalt
c.b.

25.03.99
heute innerhalb der improvisation zu sein , gibt aufschluss über energie entschlossenheit anwesenheit und theaterauffassung der kollegen-1. Versuch nur mit andreas verbindung gehabt,dann mit chris-das gegen die wand schlagen von susanne war zu schnell- und typisch theaterbuhbuh( alle anderen fanden es grossartig.) Heute zum ersten mal nachdanklich über haltung der anderen.attacke an chris noch zu unendschlossen meinerseits.

2.versuchkonstruktion mit andreas und arno ,arno relativ kurzatmig-andreas kann halten,immer bezugsmoment-tina z. auch immer präsent .wo sind chris,dorit und susanne ? kleben beinander was tun sie? Theaterspannung. tina s. verschwunden,auch nie durchlässig-die texte die gesprochen werden klingen alle grausig. Wer sprichtwas redet er an wen adressiert er? Keine ahnung -tina z. illustriert den text, oder noch nicht mal. Um was geht's hier eigentlich- dieses pseudogeschreie von dorit ist entsetztlich-keine gemeinsame konstruktion-angebote zu unentschlossen -nicht offensiv oder zu sehr auf effekt-der was illustriert was nicht existiert. Am ende chorformation angenehm, die drehdohlen von susanne und dorit fürchterlich-wie ist möglich dies zu unterbrechen?
Abbruch- warum ist tina nicht zum chor gekommen -wäre möglich gewesen.
Insgesamt gefühl von halbheiten. Wie ist dies änderbar?
Noch zwei versuche-schneller abbruch- versuch kontakt mit susanne- weicht schnell aus.

Dringendes bedürfniss zu fatzer texten- zwingt mehr zu haltung.persöhnlicher positionierung- orestie bleibt behauptung- warum chor warum bezug warum handlung-die haltung zur ausführung einer geste steht in grosser Diskrepanz zu der stringenz der texte-zuviel lyrik, zuviel theater ,zuwenig materiell

Das einzige was hilft ist die strenge der form glaube ich-

Die besprechung nach der improvisation fand ich unangenehm- versöhnlich und unkonkret
Dieser pseudobegriff von freiheit ekelt mich an
Gravierende körperliche beschwerden einer darstellerin sind verschwunden.ja,ja die launenhaftigkeit des körpers.

Schwierig insgesamt: zwischen verständigung und zugeständniss, dieser spaßfaktor motiviert mich wenig, in der annahme es geht um etwas grösseres- schwierigkeit liegt in den bedingungen der arbeit.

Luka sang heut auf dem schlachthof-der dritte weltkrieg hat begonnen.
In dieses gefüge kann ich nicht reingehen- distanz bewahren- von aussen ordnen.
c.b.

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