09. 02. 99
Ich glaube nicht, daß diese Zettel- und Mundpropaganda wirklich zielführend ist. Wahrscheinlich bleiben bestenfalls zwei Leute über. Außerdem sollte in Zukunft ein anderer diesen Job machen. Ich habe nicht die Kraft dafür, zumindest nicht für so viele Treffen in so kurzem Zeitraum. Dieses: "Wieviel verdient man eigentlich?" und: "14 Leute kriegt ihr nie zusammen, schon gar nicht für zwei Jahre" geht mir schon auf den Keks.
Auch habe ich noch viel zu viel Skrupel, bin im Moment gutmütig, wo ich's nicht sein sollte, und weise ab, wo es nicht sein müßte. Im Krieg wäre ich mit der Haltung verloren, aber im Bürgerkrieg fange ich an wie im Dunkeln herumzutappen, mein Koordinatensystem löst sich auf, unwichtige Fragen treten in den Vordergrund.
Während ich das schreibe, hat in den letzten zehn Minuten fünf mal das Telefon geklingelt: "ja, hier MA 14, Orestie-Verwaltungsabteilung, Hofrat Pronegg, was kann ich für sie tun?"
Noch fünf mal schlafen, dann ist Sonntag, und die Proben beginnen endlich wieder und die Kraft kommt zurück.
Claudia ruft an, ich schildere kurz die Lage der Nation.
Sie: "Wer ist der Chor?"