10. 02. 99

 

Meine zwei Arbeitskollegen heute vormittag: "Und wie heißt denn das Stückl, das ihr da aufführts?" Ich: Orestie. Der eine: "Kenn ich nicht, aber Transvestie wär mir lieber." Riesen Gelächter. Später beim Mittagessen: "Na habe d  Ehre, zwei Jahre das gleiche Stück! Wie lange dauert das dann?" Ich: etwa zehn Stunden. Schock! Sie wissen im ersten Moment nicht, ob ich sie auf den Arm nehme, aber ganz trauen sie mir das dann doch nicht zu. Sie hören zu kauen auf, sehen mich an, sehen sich gegenseitig an. Sie sind wirklich entsetzt. Diese Gesichter! Ich muß fast lachen. Sie fassen sich aber bald wieder und einer fragt: "Was wird das? Sodom und Gomorrah?" Ich lache mit. Nach dem nächsten Erdapfel der eine: "Ich glaub schon langsam, ihr seid s nur als Theatergruppe getarnt." Der Witzbold: "Na wenigstens machen s ein Geschäft. Stell dir vor, zehn Stunden! Da kannst gleich mehrere Würstelstandl aufstellen!"

 

12. 02. 99

Gerade wieder ein Anruf wegen Orestie-Projekt. Abermals natürlich eine Frau. Sie hat bis jetzt in Graz und Wien hospitiert. Die selben Fragen: zwei Jahre, ist das schon seriös, machen da nicht nur Schauspielschüler mit, die zum fünften Mal von einer Schule geflogen sind, wie wollt ihr das zahlen, außerdem nebenbei arbeiten, kann man da noch proben, ist das eine neue Gruppe, ist die professionell...?

Selber keine Ausbildung und Erfahrung, aber die Theaterbetriebsbedingungen einfordern, die man an den verstaubtesten Häusern kennt. Lachhaft!

Eigentlich sollte mir das egal sein, nicht der Rede bzw. des Aufschreibens wert. Doch zeigt mir meine Reaktion des Niederschreibens, wie wenig greifbar für mich unsere Arbeit noch ist. Es gibt ja auch de facto nur sechs Personen, keine Genehmigung für den gewünschten Raum und keine Geldzusage, nur unberechtigte Hoffnung, alles, wie früher schon erwähnt, im luftleeren Raum. Meine Geldnot trägt natürlich auch zum Teil zu meiner Ungeduld bei. Das ist Scheiße. So kriegt die Arbeit eine falsche und gefährliche Konnotation.

Mitterrand: Die wichtigste Eigenschaft eines Politikers ist die Gleichgültigkeit.

 

13. 02. 99

Ein alter polnischer Witz.

Was ist am schwierigsten vorauszusagen?

Die Vergangenheit.

Gestern fielen noch zwei Leute raus. Die eine hat die Hosen voll, wie erwartet, und die andere ruft an, wenn sie gerade Zeit hat.

Heute in der Abenddämmerung mit Claudia und Manu den Schlachthof angesehen. So schön war er noch nie! Ganz in Weiß, auch innen, unberührter Schnee, aufgrund der Witterung kein Auto auf der Tangente. Es ist total ruhig, man hört nur den Wind. Und dieses Licht! Dunkelblau der Himmel, orange und weiß die Straßenlampen, der Schnee tanzt auf den Dächern.

Beim Gang durch die Hallen vermeint man Menschen zu sehen.

Es ist unheimlich. Ich freue mich auf's Proben.

 

 

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