"C2 Fatzerdokument

  

Der Zweck, wofür eine Arbeit gemacht wird, ist nicht mit jenem Zweck identisch, zu dem sie verwertet wird. So ist das Fatzerdokument zunächst hauptsächlich zum Lernen des Schreibenden gemacht.

Wird es späterhin zum Lehrgegenstand, so wird durch diesen Gegenstand von den Schülern etwas völlig anderes gelernt, als der Schreibende lernte. Ich, der Schreibende, muss nichts fertigmachen. Es genügt, dass ich mich unterrichte. Ich leite lediglich die Untersuchung und meine Methode dabei ist es, die der Zuschauer untersuchen kann."                                                                 

                                                                                                  Bertolt Brecht. Fatzer

 

 

"Es gibt heute eine verkommene Haltung zum Tragischen oder eben auch zum Tod. Eine Idealform für mich wäre: "Ohne Hoffnung und ohne Verzweiflung leben." Und das muß man lernen. Ich glaube, ich kann es. Die Menschen fragen immer nach einer Hoffnung. Das ist eine christliche Frage. Für die Griechen, die Zeitgenossen des Sophokles, wäre es keine Frage gewesen: Man hatte weder Hoffnung noch Verzweiflung. Man lebte. Durch das Christentum ist diese Haltung zum Tragischen als einer Bereicherung des Lebens und des Theaters verlorengegangen. Das Tragische ist etwas sehr Vitales: Ich sehe einen Menschen untergehen, und das gibt mir Kraft. Jetzt ist es die Regel, eine verbreitete Reaktion, daß es deprimiert, wenn einer untergeht."

        Heiner Müller

 

 

"D.h. wie macht man den Diskurs über Theater wieder offensiv, wie kommt man da aus der Defensive, die über die Ökonomie abgehandelt wird. Die Politik sagt, es gibt weniger Geld. Wie geht man damit, mit dem realen Moment, um, wie kann man aus dem eine Qualität machen, das ist die Frage. Der Zwang ist vielleicht ein Vorteil. Wie heißts im Prometheus, schwächer als der Zwang ist Kunst. Der Zwang ist vielleicht die Chance umzudenken in Bezug auf Theater, nicht zu verkleinern, sondern anders zu denken, andere Entwürfe zu machen, mit Ressourcen anders umzugehen. Im deutschen Sprachraum merke ich die Ängstlichkeit, alle sind defensiv, aber da gibts Möglichkeiten, darauf in einer ganz andern Weise zu reagieren."

 

 aus einem Arbeitsgespräch mit Josef Szeiler

 

 

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