TheaterCombinat

Arbeitsjournal

3. September
Soweit der Rahmenplan mit rechtzeitig angekündigten individuellen Abweichungen.
Nächstes Thema Nachtprobe - Beginn 23.00 - Tina Z arbeitet Samstag durch - Nachtprobe und Aktion ohne Arno?

Claudia: Ja.
Markus: wenn dann jetzt.
Aktion: Beginn 20.00 - 1 h Dauer.
Tina Z: Und ab zwei Uhr Probe??

Vorschläge:
Claudia
Flexen: Christian besorgt welche - Josef und Chr. Arbeiten sich im 5 oder 10 min Rhythmus durch die Diagonale und flexen die Gattertore ab. Text kommunizierend von den Waagendächern aus.

Oder waschen in Milch.
Tina S fragt, warum sie heute die Aktionsidee besser mit der Arbeit zusammenbringen soll als das letzte mal. Und wie solle man diese Texte machen?

Geplänkel - schade, daß Gerret nicht da ist und wieder die Säulen hochsteigt - ich frage Matthias, der auch da ist und uns filmt - Matthias hat Zeit und wird das tun. Aber was hätte das Flexen mit der Arbeit zu tun.
Claudia: die Tore müssen eh raus. Wer hat Taschenlampen für die Nachtprobe.
Ich frage nochmal Tina S - sie meint, sie fühlt sich in dem Verbund nicht stark genug, sich dem öffentlich auszusetzen.
Claudia das heißt fundamental was für die Arbeit. Sie denke, wir seien jederzeit stark genug, daß da jemand zuschaut. Als Übung auch gegen sonstigen Perfektionsanpruch sehr gut - Arbeitserfahrung aus anderen Kontexten immer gut, wenn Erfahrungen einer kurz gesetzten Aktion einfließen.

Matthias: Sollen die Leute eine Einführung kriegen?
Andreas ja von dir - Geplänkel - ich: ja er solle beim klettern vor sich hinreden, was er sonst schreibt.
Tina S genau, das und die Flexen, die machen das für uns und wir sind nur da.
Matthias fragt nach dem grundsätzlichen Interesse an dem für jemand der noch nie da war und noch keines hat. Berichtet von einem Gespräch mit Josef über Zuschauermoment - das Flexen sei wieder nur was zum anschaun.

Ich laber meine Ressentiments und teils schlimmen Erlebnisse mit Schrottkunst und flexenden Männern in Fabrikhallen ab.

Gespräch über Möglichkeiten/ bezüge zwischen Flexen - Geräusch - und Aktion. Rhythmisierung, Thematisierung von Geräuschen usw.
Unkonzentriert, irgendwie.

Einschub, Kommentar:
Habe aufgrund von Langeweile beim Abschreiben das ganze nochmal durchgelesen und war wirklich schockiert. Wie man sich in die Depression hineinreden kann. Und - auch das - das wirklich wichtige steht gar nicht da, beim mitschreiben von dem was wer sagt. Das ist eh klar.
Wirklich wichtig war für mich im Nachhinein die Grundspannung zu Beginn, ein vielleicht da schon angelegter Hang zur Selbstzerstörung von einzelnen - in dem Fall würd ich sagen von Andreas, Tina S und mir - von Andreas zu Beginn der Probe Arnos "mal schaun" anzukündigen (neu war ja, als Info, daß Arno zwei Wochen nicht kommt und nicht nur heute nicht), ich eins draufsetzend mit Loulou, dann die Vermischung von möglichen Arbeitsorganisationen mit Sorgen.
(Nicht daß ich meine, Sorgen sollen oder dürfen nicht kommuniziert werden - die Frage ist nur, ob die Sorge grundsätzliche Zweifel an der Arbeit produziert oder als Schwierigkeit, die halt manchmal - "kathartisch" - formuliert werden muß, auftaucht, einfach weil man damit grade nicht allein sein kann oder will und man möglicherweise zusammen auch a) irgendwelche Wege aus der Not finden kann oder b) zumindest klären kann, in welcher Weise die Sorge und die Arbeit zusammenhängen, außer objektiv durch Zeit und Geld.)
Das würd ich als Motiv für die oben genannten anführen - nur daß es als Arbeitsproblem daherkam und insofern von Anfang an die Plazierung in unserem Zusammenhang, im Zeitplan usw. man könnte sagen disziplinlos war.
Wie überhaupt das für mich immer undurchschaubarer wird in solchen Gesprächen und ich mir zuweilen nur entweder grenzenlose Naivität oder ziemlich bornierte Verdrängung unterstelle, mich also verhalte wie ein kleines Kind, das halt einfach nicht sehen will - wo welche "Arbeit" geleistet werden muß im Sinne der Zukunft - und wo dieselbe einfach nur die Verwirrung verlängert, indem den einzelnen auch zuwenig zugetraut wird.
Sicher ist an dieser Stelle das "Interesse aneinander" gefragt - schlimm wird's dann, wenn man dermaßen mit dem Rücken zur Wand agiert, daß ein sich nur konkret zu entwickelndes Interesse auf einmal von vornherein absolut da sein soll oder sogar als bedingungsloses da ist, weil man sonst glaubt, man muß einpacken. (Das aber ist ein Paradox - also eine Qualität - der Arbeit, mit dem man auch nur praktisch umgehen kann. Dazu später ein Diskussionabschnitt.)
Umgekehrt sehe ich mich dann aber an Stellen "eigentlich" gezwungen, extrem persönlich zu werden, weils sonst wirklich aus ist - jetzt bin ich bei der zweiten entscheidenden Szene, nämlich Arnos Auftauchen auf dem Schlachthof - von ferne gesehen kommt eine Kleinfamilie daher, deren männlicher Part in keiner Weise als Arno zu erkennen ist oder sich als Arno zu erkennen gäbe. Ich sehe von weitem ein Paar anschlurfen, sie hat blonde Zöpfe und schleppt ein Kleinkind - er hat einen komischen Hut und schiebt gekrümmten Rückens einen Kinderwagen. Das Erkennen ist eine Art Schock - und "eigentlich" hätte ich das sofort sagen müssen bevor irgendwas geredet wird über Termine, Arnos Probleme mit der Arbeit usw. Aber das denke ich mir jetzt, eine Woche drauf. Beim Aufschreiben.

Und: nach der Nachtprobe und der öffentlichen Probe - die den Blick auf das ganze wirklich verschoben haben. Erstaunlich.

Weiter in der Chronologie des Gesprächs:

Arno also ist da - berichtet aufgrund von Nachfragen von Tina Z von seiner Lage - Umzug usw. Sagt, er braucht die zwei Wochen und sei verunsichert, ob eine persönliche Situation wie diese für die Arbeit tragbar sei - nicht nur von ihm her Lustlosigkeit durch Anstrengung. Momente wie diese könnten immer wieder auftauchen.

Claudia geht weg.

Josef O.K. Dann ist das abgemacht. Eine Frage ist noch, wie wir die Aktion in die Arbeit integrieren. Das andre sei nicht lösbar - es gebe 3 mögliche Krisen - ökonomisch, existenziell und arbeitsintern - und damit müße man halt je konkret immer umgehen.
Claudia fragt Arno nach.
Arno hatte an Aufhören gedacht, kann im Moment aufgrund von Druck und Erschöpfung eigentlich gar nichts mehr sagen - denkt nur, es sei falsch, jetzt aufzuhören, will sehen, was passiert, wenn er nach der "Pause" wieder in eineen Arbeitsrhythmus kommt - unter den Bedingungen der zusätzlichen Sacherarbeitszeit usw. Denkt aber, man müße das nicht immer sagen, die Motivation müsse jeder selbst immer wieder überprüfen.
Tina Z Keine Lust mehr?
Arno graut vor der Vorstellung, eineinhalb Jahre so zu verbringen. Er habe alles abgesat im Frühjahr und sei Hals über Kopf hierhergekommen, das käme jetzt zurück. Vielleicht habe er auch zu wenig Geduld. Im Moment gebe es vervielfachten spezifischen Druck, vielleicht sei es falsch, den auf die Arbeit zu projizieren. Er hofft, über das Arbeiten wieder in einen erträglichen Rhythmus zu kommen.
Tina Z sagt, anfangs - nach einem Break - sei das Wiederkommen unerträglich.
Tina S fragt nach Arnos Aussage zum "Selbstverständigungsmoment der Arbeit" -
Arno warum man da nicht seinerzeit geredet hätte und stattdessen Protokolle gelesen, die eh jeder im Ordner sehen kann - er wollte damals nichts sagen, weil er eh immer als aggressiv gelte -
Erzählt dann, der Auslöser sei der Ordner gewesen - die Lektüre vom Ansuchen, von dessen Bedingungen und Zielen nichts mehr übrig sei. Von 14 Leuten 6 da - und warum arbeitet man, an was.
Tina Z sagt, Bernadette wollte ja auch immer eine Erklärung für die Arbeit -
Ich mache einen blöden Einwurf, das DAS Bernadette nicht gewollt hätte, geliefert bekommen -
Arno sagt, es würde nichts ausgeredet - klar sei doch, bis nächstes Jahr würde man mit dem Arbeitsvorhaben nicht "fertig" -
arbeitet man also solange, bis man die Orestie hat, oder was sei das Ziel - die Unklarheit sei deprimierend, und daß darüber nicht gesprochen würde. Man mache Versuche ohne Rahmen - dann bleibt für ihn das Moment "Selbstverständigung" übrig. Er komme, weil er sich für Theater interessiere, auch für die Texte, die Orestie mehr als Fatzer - und weil ihn die konkrete Arbeit immer interesiere. Vielleicht ergebe die für ihn fehlende Form sich aus der Arbeit, könne ja sein. Aber ihm scheint das kein individuelles Problem, das sehe man bei den Diskussionen um den Aktionstag - man finde keine gemeinsame Form, bei konkretem Reden würde es eskalieren.

Ich frage, was mit Form gemeint ist - "Ort, Ablauf, der Rahmen halt.
Halte meine Rede zum Thema "Selbstverständigung" - das ich das für mich seit geraumer Zeit so betreiben würde eigentlich, das sei natürlich ein Manko, aber auch Effekt aus dem Arbeitsprozeß - gemeinsam an Punkte zu kommen, an denen einfach Ratlosigkeit ist. Das aber als Möglichkeit zu begreifen, auch als Qualität der Arbeit. Frage, wie man diese Punkte thematisiert und vorantreibt, statt darin zu resignieren. Formuliere ebenfalls "Frust" über Ordner, was natürlich auch an mir selber liegt.

Tina S sagt stimmt, Ratlosigkeit und Mutlosigkeit.
Ich sage nein, Mutlosigkeit sei das nicht bei mir.
Josef empfiehlt Tina S die Lektüre von Lenins "Vom besteigen hoher Berge" -

Andreas kann zu dem allen nichts sagen und will in der "Super Abendstimmung" eine Impro machen.

Tina Z fragt nach dem mutlos.
Tina S sie sei mutlos gegenüber dem Raum, dem text, den Leuten, der Menge an Leuten usw.
Tina Z wenn ich mutlos bin, bleib ich doch zuhaus.
Claudia sagt - das kann man dann auch. Wenn die Leute nicht wollen und keine Lust haben, kann man es auch lassen. Kriegt einen Aggressionsschub zu Arnos "mal schaun". Und braucht sichs auch nicht immer wieder geben, gegenseitig sich die Mutlosigkeit vorzuführen. Hätte besseres mit ihrem Leben vor; manchmal gebe es Irrwege, aber man brauche auch den Mut, im Irrwege-Gehen. Wenn dabei dann jeder einzelne Schritt verfolgt werde, machts das Ganze halt vollkommen sinnlos. Frage, veruscht man sich zusammen zu organisieren - wenn ja, dann jederzeit jeder Irrweg. In der Arbeit sih gegenseitig Wert verleihen. Will sich nicht immer wieder dieser Entwertung aussetzen.

Markus fragt Tina S was sie meint "mit den Leuten" - ob es das ist, was Bernadette eingefordert hatte, daß jeder formuliert, was er für eine Motivation für diese Arbeit hat und was nie geklärt wurde - Tina S: von Maja auf den Punkt gebracht: warum passiert hier alles so dermaßen lustlos.
Markus ob sie glaube, andere Leute hätten mehr Lust? Und er verstehe Majas Protokoll nicht - ist nicht grundlegend dieser Meinung - Tina S findets repräsentativ - Claudia fragt warum dann kein Impuls käme, das zu ändern - warum resigniert man dann und kritisiert nicht, statt sich Kraftlosigkeit zu beweisen.
Tina S meint, ihr erster Moment sei, wenn Arno zwei Wochen nicht kommt, daß sie das dann auch möchte - ständiges Bröseln von Anfang an.
Josef sagt (Formulierung von Tina S: Maja hätte "ohne Blatt vorm Mund aufgeschrieben") - das könne sie ja auch - und: es gebe die objektive Schwierigkeit des Schreibens. Er fände Majas Protokolle zu distanziert und abstrakt -sie käme drin nicht vor - man müsse auch die Protokolle kritisieren, das könne niemand. Der Ordner sei schließlich unsrer, es sei absurd drüber zu jammern, daß er schlecht sei. Er sei hier, weil er O und F machen will, wie, wisse er auch nicht. Könne kaum in die Debatte einsteigen, er sehe die Probleme so nicht (ob 6, 8, 14 Leute) zu Arno könne er nichts sagen, er komme am Sonntag, o.k. Könne auch zu Bernadette nichts mehr sagen, sie sei nicht da, und wenn die Leute eine Alternative haben, dann sei das so, da könne man nicht eingreifen.
Jetzt würde sich was herausstellen, solange es kein Geld gibt. Dann sei eh alles klar. Aber im Moment geht's um was. Diese Arbeit geht später nicht mehr - biologische Grenzen, der Schlachthof sei weg usw.
Das geht nur hier und jetzt - das offene als Qualität, als Suche. Wenn man scheitert, ist das eine bestimmte Lebensspanne, aber nicht das Ganze.
Arno fragt warum man die zwei Tage unbedingt nachholen muß - ich rede von anderm Arbeitsrhythmus probieren - Josef sagt, man will doch eh immer nur weniger ppibieren statt mehr.
Claudia fragt nochmal Arno nach der Form.
Tina S eingeleitet durch Thema Aktionstag - Claudia soll jeder einen machen - ich sage, darin bin ich schlecht - Josef sagt, ist doch nachvollziehbar, muß ja n icht jeder - man könne ja auch außerhalb des Schlachthofs positiv über das Projekt reden.
Josef zu Arno Leben ohne Hoffnung ohne Verzweiflung.
Darauf Debatte über Loulou und Geld, hin und her, Beschluß, sie nicht zu zahlen.
c.s.

6. September 1999, 7.45 Uhr

Protokoll Probe 5. September
Die Umstände meines Daseins in Wien bemerkenswerte, die persönliche Verfassung vor meiner ersten Probe entsprechend. Ankunft von Bozen in Wien nach ca. elfstündiger Fahrt um 6.45 Uhr. Müde, gleichzeitig aufgeregt und noch sehr beschäftigt mit den Erlebnissen in Italien.
Ich kenne die Texte nicht, nicht die Arbeit der Regisseure, nicht die Darsteller, nicht den Ort, nicht die Dauer meiner Anwesenheit. Das Wissen um das zu führende Protokoll erleichtert mir die Probe nicht unbedingt. Ich brauche oft sehr lange um Vorgänge adäquat beschreiben zu können. Die relativ kurzfristige, zudem schriftliche, Äußerung zu Erfahrungen, Eindrücken etc. zählt nicht zu meinen Vorlieben. Die Suche nach Beschreibungs-möglichkeiten ist schon während des Erlebens sehr präsent und beeinflußt die Wahrnehmung sicher nicht unwesentlich. Dies gesagt; aber keinesfalls bedauert.

Die erste Begegnung mit dem Schlachthof erschlägt mich fast. Die Größe, der Geruch, die Massivität der Anlagen, der Dreck, meine Vorstellung der einst tausendfach stattgefundenen haben müssenden Bewegungsabläufe und Geräusche erregt gewisses Unbehagen, etwas wie Ehrfurcht und große Neugierde.
Der Raum drückt sehr auf meinen Körper und scheint meine Gedanken zu verlangsamen. Seltsam. Vielleicht aber auch nur die große Müdigkeit. Ich weiß es nicht.

Das erste Kennenlernen der anwesenden Gruppenmitglieder gestaltet sich angenehm unkompliziert, ich fühle mich schnell wohl. Erste, nicht geringe, Sorge verflogen.

Die Übungen zur Erwärmung sind anstrengend, mich ärgert, daß ich während des fünfzehnminütigen gemeinsamen Laufs früher aussteigen muß. Die Dehnungsübungen rufen einen erschreckend unbeweglichen Körper auf, dieser verweigert mehrfach seine Mitarbeit, was mich wiederum ärgert.

Nach der Erwärmung lerne ich Christian kennen.
Christian der Komponist und Christian der Dokumentierende. (Die Wiener sehen alle aus, als ob sie Christian hießen...).

Die Stimmarbeit mit Christian (dem Komponist) ist sofort sehr intensiv. Die Übungen werden zunehmend komplexer, verwirren mich oft.
Finaler Regelkatalog einer Improvisationsübung, um dessen Einhaltung ich so bemüht bin, daß ich mich fast autistisch verhalte
: - langer Ton beim Ausatmen mit Bewegung (Gehen, Laufen, Rennen...)
- Tonhöhenangleichung bei Kreuzung der Wege zweier Improvisierender
- kurzer Geräusch durch Bezugnahme zum Raum, stehenbleibend (Klopfen auf Metall, Zerschmettern von Ziegeln, Zuwerfen der Gattertore...)
- bestimmtes Sprechen einer bestimmten (jeweils folgenden) Fatzer-Textzeile in Richtung eines Adressaten, dabei Geste
- Lautstärke des Sprechens soll der des vorangegangenen Geräuschs entsprechen, gleichzeitig soll sich auf Proxemik bezogen werden (Lautstärke entsprechend Abstand Sprecher zu Adressaten)
- langer Ton beim Ausatmen mit Bewegung ... Wiederholung

Die Koordination der Abläufe beschäftigt mich ungemein. Ständig vergesse ich die Textzeile, die Geste, den Bezug zum Adressaten. Produzierte Geräusche stellen sich als lauter bzw. leiser heraus als intendiert, die Stimme trifft weder Ton noch Lautstärke, ich höre die anderen schlecht, mich ungenau. Ich bin unzufrieden mit meiner Arbeit, nicht mit der Übung. Ich brauche Zeit. Ich möchte weniger nachdenken müssen. Ich möchte die Bewegungsabläufe in den Körper einschreiben, um mich bewußter im Raum, auch im akustischen, bewegen zu können. Ich möchte mit den anderen interagieren, was mir bisher nur geringfügig zu tun möglich ist.

Ich stelle schon während des Agierens fest, daß ich mit zunehmendem Grad der Erschöpfung Mechanismen entwickle, die mir die Einhaltung der Regeln zu erleichtern versprechen. Ich versuche leise Geräusche zu produzieren, um nicht mit zu lauter Sprache auf das Geräusch reagieren zu müssen, da die Stimmbänder schmerzen. Ich versuche die Wege der anderen nicht zu kreuzen um die Tonhöhe nicht angleichen zu müssen, was mir schwer fällt und in Folge dessen furchtbar klingt.

Der Raumwechsel (Wiederholung der improvisation in größerem Raum) eröffnet mir mehr Möglichkeiten der Klangerzeugung, Lautstärke und Bewußtsein der Gleichzeitigkeit der anderen jedoch verringern sich erheblich. Im Labyrinth der Gatter ergeben sich interessante Gänge, die Freude darüber macht mich Regeln vergessen, ich komme mir wieder nicht mehr hinterher, der Text ist gesprochen noch bevor die Geste angesetzt ist. Ich nerve mich.

Ich bin überfordert. Die Regeln hemmen mich noch, anstatt mir Freiräume aufzuzeigen.
Das Gespräch danach erfreut mich in sofern, als das ich mich mit meinen Koordinationsproblemen und dem Gefühl der fehlenden Interaktion nicht allein zu seien scheine.

Die folgende Improvisation auf dem Dach stellt sich für mich als höchst interessant aber wiederum sehr schwierig heraus. Sie beginnt, noch bevor ich registriert habe, daß es eine Improvisation gibt.

Mir wird sehr deutlich, daß ich mich in der Gruppe noch fremd fühle. Dadurch große Unsicherheit. Das Bedürfnis sich einzufügen, gleichzeitig sehr bald die Grenzen der Möglichkeit dessen erfahrend, versuche ich eine Aktionsform zu entwickeln, die einerseits Bezug nimmt und Bezugnahmen der anderen ermöglicht, andererseits bemüht ist, in die (unbekannten) Abläufe nicht störend einzugreifen.
Ich versuche mich als außenstehend und involviert zu etablieren.

Die Aktionen der anderen wirken auf mich sehr statisch, sakral, bedeutungsvoll, oft ohne daß ich Motivation oder Bedeutung der Vorgänge fassen konnte. Es herrschte eine große Schwere. Unklar ist mir, ob auf Grund der Aktionen, meiner Unsicherheit, der zunehmenden Verfinsterung des Himmels, der Angst vorm Einbrechen...

Meine Aktion bestand in einfachen, sich wiederholenden Verrichtungen. Sammeln der auf dem Dach liegenden Schrauben und Nägel - Inbezugsetzung dieser zu Raum und Aktionen der anderen, starker Bezug zu meiner Situation innerhalb der Improvisation. Ich agiere performativ.
Als Chris sich nach einer meiner Unterbrechungen auf mich wirft, ist mir für Sekundenbruchteile nicht klar, wie ich dies einordnen soll. Ich fühle mich privat angegriffen, entscheide mich aber dann doch dies als eine Form des Spiels (im Sinne eines So-tun-als-ob) zu begreifen. Ich kenne die Spielregeln nicht und bin unsicher und leicht angreifbar in meiner Tätigkeit.

Als die Improvisation beendet wird, bin ich froh, weil müde und verwirrt ob der vielen Unklarheiten. Das große Bedürfnis nach Regeln wird mir deutlich, vor allem auch im Vergleich zur vorangegangenen Tonimprovisation.

Hoffnungsfroh dem neuen Probentag entgegensehend bin ich, Doreen, nicht unzufrieden über den Verlauf der ersten Probe.
d.u.

Protokoll Probe 6. September
Eher privat wird die Frage nach Brechung und dem zu Brechendem diskutiert. Ich höre zu, verstehe aber nicht. Bei meinem Stand des Wissens über die Arbeit entschließe ich mich Fragen zu vertagen. Es scheint auch, ich brauche heute außerdem mehr Zeit um warm zu werden.

Taiji zu Beginn, Große Ruhe und Konzentration der anderen, hektisches Durcheinander meiner Arme und Beine, die die Bewegungsabläufe nicht kennen.
Improvisation mit Elementen der gestrigen Tonimprovisation (Ausatmen mit Ton, Angleichung der Töne bei Kreuzung der Wege) in verschiedenen Außenräumen. Der erste Versuch muß wegen zu geringer Lautstärke abgebrochen werden. Erneute Versuche in kleinerem Raum gelingen zunehmend besser.
Improvisationen in langem, schmalen Raum. Ziel ist Bezugnahme zu Raum und anderen Improvisierenden. Töne und Geräusche möglich, kein Text. Die erste Improvisation unterscheidet sich grundlegend von der Zweiten. Die Differenz besteht meines Erachtens in der Qualität des Agierens in sofern, als daß mal mehr performativ, mal mehr repräsentativ agiert wird. Es ergeben sich interessante Verschiebungen der Dominanz, bezüglich der gesamten Improvisation und bezüglich der Aktionen einzelner. Das Verhältnis von performativem und repräsentativem Tun ist vielleicht einer der interessantesten Beobachtungspunkte für mich.
Improvisation im langen Raum mit Fatzer-Texten A10 und A11. Verschiedene Improvisationsabschnitte mit Text A10 und Text A11 im Wechsel. Signifikantes Improvisationsmaterial sind schnelle und langsame Bewegungen. In den Abschnitten des Textes A10 sollen sehr schnelle Bewegungen mindestens dreier Agierender dominieren, in Abschnitten des Textes A11 sehr langsame Bewegungen ebenfalls mindestens dreier Agierender. Die Impro eröffnet Gleichzeitigkeiten verschiedener zeitlicher Dimensionen, konstituiert durch verschieden schnelle Körperbewegungen und die Anordnung im Raum, auch im proxemischen Raum. Vor allem die schnellen Teile stellen mich vor Schwierigkeiten: großes Problem ist meine miserable Kondition, noch größeres die Fähigkeit während schneller Bewegungen Bezugnahmen zur Gruppe und zum Raum zu etablieren. Oft die Frage: 'Und was mach ich als nächstes?' und mir will nichts einfallen. Seltene Momente, in denen es fließt. Die langsamen Teile ergeben für mich interessantere Konstellationen, wirken nicht so hingeworfen. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung der Übung.
d.u.

7. September
Training bei Herrn Wang, der mich höchstwahrscheinlich töten will. Zum Glück lächelt er manchmal, was mich zwar nicht täuschen kann, aber ich bleibe und es gefällt mir gut. Nach dem Training muß ich meine vorletzte Kraft wohl in dem kleinen Raum vergessen haben.
Wir kommen erst spät im Schlachthof an, es regnet, die Wiederholung der letzten Improvisationsübung muß erst einmal verschoben werden, wir sprechen über unseren Gesichtsausdruck während der Improvisationen. Christian der Dokumentierende hat in einem Gespräch mit Claudia unsere oftmals leeren, starren Gesichter erwähnt, die ihm beim Fotografieren auffallen. Man zieht sich zurück hinter sein Gesicht. Weshalb währe zu untersuchen. Das Thema erzeugt sofort etwas wie Abwehrhaltung und Frustration. Was tun? Wenn denn im Tun kein Ausdruck entsteht; diesen spielen, forcieren, privat sein ... das wahrscheinlich gerade nicht. Durchlässigkeit, Konzentration, Bei-sich-sein - aber kein In-sich-bleiben wohl eher - jedoch easy said and schwer getan. Am Ende kein Ergebnis aber Problembewußtsein.
Dann probieren wir die Sache im Schlauch noch einmal. Für mich wieder eher unbefriedigend. Warten auf den nächsten Tag.
d.u.

WEITER SO DOREEN!!!!

9.9.99
auf fremde fragen reagierend bemerke ich mein eigentümliches eingewickelt sein in merkwürdige zustände , die für mich mit dieser stadt und meinem bezug zu ihr und meinem agieren in ihr zu liegen. Wie wenn ich einen haufen auf mir liegen habe der mein gehirn zu deckt. Ich hoffe der schleier hebt sich langsam. Immer wieder animositäten , gepaart mit autoritätskonflikten aus dem alten wiener kreis, mit dem ich herzlich wenig zu tuen haben und ein direkter kontakt mir immer verwehrt bleibt durch dinge , die ich nicht verstehe und die nichts mit mir zu tuen haben . mein denken scheint so diffus . beweggründe meines tuns und meiner theatralen und inhaltlichen bezüge muß ich wieder freischaufeln. Das man situationen , anordnungen vorgibt , die spezifische bezüge zu dem zu behandelnden text haben .diese meine mir nicht zuordenbare angst vor zu viel vorgaben , defensivität in den zwangslagen und umständen dieser arbeit. Langsam habe ich den eindruck anfangen zu können.situative vorgaben machen zu können.inhalt zu diskutieren , jenseits der ständigen theatertechnischen fragen , die einen nur noch einzelnen bäume sehen lassen , aber der eindruck von wald verschwindet.meinen forschergeist an dem fatzertext, mein ganz egoistisches interesse wiederzufinden , jenseits der zwänge und kleinmachereien.zuweilen statusprobleme. So klein und niedrig wie noch nie zuvor.endlich wieder vitalität und nicht nur durchhalten etablieren . will ziel und herausforderung.
Es geht nicht um den reinen klang, nicht um die reine geometrie im raum , es geht um begreifen des materials , um es dann einsetzbar zu machen . jeder spieler in selbstständiger konstruktion zueinander. Die inhaltliche erwägung als schöpferischer akt der verkörperlichten diskussion.fatzer als verlauf eines schreibexperiments und versuch eines kollektivs, wobei ich immer mehr zweifele ob dieser begriff überhaupt zutreffend ist, einer zwanggemeinschaft , die an beginn zufällig konstituiert wird, weil sie allein nicht durch kommen , oder doch, sich zusammentuen, flucht vor dem krieg, flucht in das heim des einen, wo dann alles zerfällt. Ansprüche, feigheiten , frau sex, kein geld, kein fleisch, kein glanz.keine utopie,diese zerfällt mit dem schrumpfen des einzelnen , gibt es radikalisierungen auf dem weg oder nur kleinheiten?
Man muss die verläufe oder verschiebungen genauer bekommen. So nur masse von unbewältigbarem text.
Wie kann man auf inhaltliche vertiefungen kommen , präzisierungen ohne diesen erklärungsgestus?
c.b.

12. September
Protokollstop, weiter nicht chronologisch
Gedanken zur Arbeitssituation.
Stelle gewisse Trägheit fest. Das ständige Warten nervt mich, nein, genervt hat es mich zu Beginn, jetzt lähmt es mich zunehmend. Vor der Probe warten bis alle eingetrudelt sind, vor der Improvisation warten bis man zum entsprechenden Raum geschlendert ist, innerhalb der Improvisationen warten bis endlich wirklich der erste agiert, zwischen den Improvisationen warten bis die schnell noch angesteckte Zigarette aufgeraucht ist, oder man aufgegessen hat oder bis was man dringend tun mußte getan ist.
Frage nach der Ursache Sicher zum einen die Arbeitsumstände, sprich es gibt keine Verträge, kein Geld, d.h. man kommt, weil man will, muß nebenbei arbeiten, um sich die Theaterarbeit leisten zu können, d.h. mancher kommt direkt von der Arbeit zur Probe, das wiederum heißt Erschöpfung schon vor Probenbeginn Punkt Punkt Punkt Das Problem ist er- und bekannt. Hier also keine bahnbrechende Enthüllung.
Sicher und zum anderen ein Einschleifen schlechter Gewohnheiten, vielleicht auch aufgrund fehlender deutlicher Richtlinien. Etwa: Probenbeginn zu bestimmter Uhrzeit, nicht erst dann, wenn der letzte ankommt (für die die sich beeilt haben um pünktlich zu sein, kann so etwas nämlich ziemlich deprimierend sein und in Folge dessen nimmt man es dann mit der Pünktlichkeit auch nicht mehr ganz so ernst), klarere Pausenreglung (wann und Dauer), so muß man nicht zwischendurch noch hastig ins Butterbrot beißen, weil man nicht weiß, wann man die nächste Gelegenheit hat und man zündet sich nicht gerade dann noch eine Zigarette an, wenn es eigentlich weitergehen soll(te). Dies vielleicht bieder und verschult, mir fällt aber nichts besseres ein.
Diskussion mit Claudia. Ich verfasse folgendes Pamphlet über Formen der Irritation. Ich bin unsicher. Vielleicht unterschätze ich die Arbeitssituation...

Ausgangspunkt die Frage nach der Trägheit, Frage nach der Gemütlichkeit, Frage nach der Lähmung etc.
Warum ständiges Warten, vor der Probe, vor der Improvsation, innerhalb der Improvisation, zwischen den Improvisationen... Warum wirken manche Aktionen so lustlos, demotiviert, ins Leere geschickt...
Sich auftuen zweier Kontexte: der der Produktionsbedingungen und der des konkreten theatralen Tuns.
Beide greifen ineinander. Frage nach dem produktiven Umgang mit Irritationen in beiden Systemen...
Irritation des Systems kann bedeuten eine Veränderung im System oder im Bezugssystem (z.B. die körperliche Energie läßt nach). Das ruft wiederum Veränderungen im Sinne von Infragestellen, Modifizieren, Kippen, Neukonstituieren von Regeln des Systems (ich setzte weniger Energie als die Regeln verlangen) oder dem gesamten System (etwa: ich klinke mich gänzlich aus) hervor.
Mit Irritationen muß umgegangen werden. In beiden Kontexten (Produktionsbedingungen und theatrales Tun) sind sie produktiv nutzbar, im theatralen Kontext als theatrale Ausdrucks- und Reflexionsebene von konstitutiver Bedeutung. Voraussetzung für Nutzbarmachung im theatralen Kontext besteht in bewußten Umgang mit Irritation und deren Folgen, d.h. Arbeit an der Irritation.
Weder mechanisches Befolgen der Regel noch Regelbrechung aus rein privatem Bedürfnis - Wann bricht man das System, wann fügt sich dem System, wann benutzt man das System nur aus Bequemlichkeit bzw. weil systemexterne Irritationen dies fordern bzw. zu fordern scheinen?
Unproportionalität der Irritationen im Kontext der Produktionsbedingungen im Vgl. zu Kontext des theatralen Tuns erschwert produktive Auseinandersetzung mit Irritation im theatralen Kontext.
Bemühung der Irritation im theatralen Kontext auszuweichen, anstatt sie zu thematisieren und produktiv zu nutzen, da die permanenten Irritationen durch die Produktionsbedingungen so übermächtig und Energie zehrend scheinen bzw. sind.
Also implizit der Versuch der Stabilisierung der Produktionsbedingungen durch Schutz vor Irritation im theatralen Tun?
Da Produktionsbedingungen und damit verbundene Irritationen in absehbarer Zeit als veränderbar einzuschätzen sind, muß Dominanz dieser im Vgl. zu Irritation in theatralem Tun gebrochen werden?
Thematisierung der Irritation (z.B. des Erkennens und Bewußtseins vom Scheitern) als Prozeß beim Bewegen im Regelsystem, produktive Irritation, d.h. produktive Verletzung/ Modifikation/ Neukonstituierung der Regeln
Das Bewußtsein für Ziel des Tuns- auf Ebene einer bestimmten Aufgabenstellung (Improvisation) und auf Ebene der gesamten Theaterarbeit, beeinflußt theatrales Tun sowie auch (Umgang mit) Produktionsbedingungen
(Motivation, Impuls, Drang, Interesse, Zielstrebigkeit, Sicherheit, Umgang mit Irritation, Kontinuität, Flexibilität). Besteht Notwendigkeit das Bewußtsein durch Vermittlung theoretischen Wissens zu erzeugen bzw. zu erweitern oder sollte dies allein aus praktischer Erfahrung resultieren?
Gibt es ein Bedürfnis nach mehr theoretischem Wissen?

C14

Unsere Haltungen kommen von unsern Handlungen, unsere Handlungen von der Not.
Wenn die Not geordnet ist, woher kommen dann unsere Handlungen?
Wenn die Not geordnet ist, kommen unsere Handlungen von unserer Haltung:

Unsere Gedanken kommen von


d.u.

14.9.99
die stimmung scheint gut , nach wangtraining , das sehr gut war , möglichkeit sich an das thema der sexualität anzunähern. Textauswahl a 20 , in der nachtprobe bereits schon mal bearbeitet, text ist gelernt , b34 und b49 , beide mehr oder weniger unbekannt.
Es gibt 3 gruppen : 1 andreas / chris     b34
2 markus / tinas     a20
3 arno/ tinaz / doreen     b49

die gruppen sind unabhängig , aber in einem raum. Jeweils einer der gruppe hat den text und liest ab.( zunächst die frauen ) ,sie müssen zu dem oder den anderen adressieren
c.b.

Liebe maya 18.9.99
Der 5 tage rhythmus gibt mir einen push und auch mehr freiheit dinge zu probieren ,da man sich am nächsten tag wieder trifft. Ich probiere herum wie die ausgangsverfassung am beginn einer probe zu beeinflussen ist . versuch im moment :beginn , egal in welcher anzahl , um 13.30.

Anderer versuch mehr bedeutungsebenen des tuns ( politisch , gesellschaft , theatral- revolution der perspektive etc ) zu formulieren, denkrichtungen. Obwohl das tuend misstraue ich immer sofort ,ob das nicht mehr zumacht, nach dem kurzen moment der befriedigung durch verstehen von größerem kontext.

Das leben ansonsten ist wie auf dem mars. Arbeit. Isolation und freiheit in der arbeit . je nachdem. zwischendurch kurzes erschrecken in welchem selbstverständniss um uns rum produziert wird. Gelebt wird. Reproduziert wird. Unsere selbstverschuldete armut als soziales experiment?

Am sonntag ist die zweite öffentliche probe/ aktion / auch dies eine frage der signifikanz/
Ich schwanke in der anordnung von bereits erarbeitetem- und der adaption auf die situation mit zuschauer . was zwei sehr unterschiedliche bedingungen ausmacht.
Ich versuche im moment die fragmente einer bestimmten anordnungs struktur zuzuordnen. Zur spezifität und vielleicht besseren koordination des materials. Ich bin mir nicht sicher wie weit dies die reaktionmöglichkeit auf den besucher einschränkt. Vielleicht gilt es dies auszuprobieren.
Um 20 h , wo diese versuche beginnen ist nun finster . wir können uns nur an den spärlich vorhandenen lichtquellen orientieren. Was zunächst einschränkend ist , sofort buh- buh athmophärisch wird, in disziplinierter form eine qualität sein müsste: wie es die raumzonen über licht anders bestimmt, für handlungszwänge gibt. Zuweilen setzt es eine höhere aufmerksamkeit weil man nicht recht erkennen kann , was der andere macht. Zuweilen verschwimmts völlig.

Versuche sich dem sexstück fatzer anzunähern.mit drei fragmenten : a 20/ b34/ b49
Explizietes arbeiten in heterosexuellen paaren. Drei paare gleichzeitig in einem raumabschnitt. Ein versuch entgegen des ausweichmanövers in unserem sozialen rollenspiel (-die bedingung aufmerksamkeit auf alle - heißt oft, also nur auf bestimmte-) : der eine muss lesen,auf der stelle bleiben , der andere agieren, interesse zeigen , provozieren , je nach handlungsstruktur des jeweiligen fragments.
Dort die umbrüche interessant von privat zu veröffentlichung im spiel. Wie wird angst und scham ein material ? rollenklischees im gesellschaftlichen zusammenhang bearbeitet, abgearbeitet.Durch welche angelernten formen schützt man sich ( aus anderen handlungskontexten ),die ästetischen filterungen : ist das jetzt " richtig " oder " falsch ". die hetereosexuellen paarkonstellationen thematisieren , um sexualität zu thematisieren, unseren kumpelhaften umgang zu unterlaufen, genauer auf spezifische partner zu reagieren , deren grenzen auszuloten , nicht im eigenen tun die grenze des anderen vorwegnehmen , um vielleicht dann die konventionalität dieser konstellation zu überschreiten - vielleicht so notwendigkeit der orgie ?
c.b.

Protokollvom19.09.99
verfaßt von M. K.
Thaichi und darauffolgender Impulskreis mit einem dynamisch-schnellen und einem ruhigen Impuls.
Gemeinsames Lesen der 1. Arbeitsphase ( B1, B9, B15). Vorher weist noch C. B. in monologisierender Form auf einige zentrale Momente, die Struktur des Fatzerfragmentes betreffend, hin: Im Fatzerfragment wird der Kommunismus problematisiert. Fatzer, Koch, Kaumann und Büsching bleiben zusammen, weil sie alleine nicht durchkommen. Die Situation, in der sie sind, ist der Krieg und das Warten auf die Revolution. In diesem Warten gehen sie zugrunde. Die Figuren verändern sich infolge der verschiedenen Arbeitsphasen.
Wie kann man diese Differenzen bearbeiten? B.B. hat sich nicht nur für eine Form des Schreibens entschieden (z.B. vermischen sich Bibelmomente mit asiatischen Parabeln etc.). Wie kann man das Nichtabgeschlossensein des Textes bearbeiten? Vielleicht ist der Moment des Nichtgelingens die Qualität des Fatzerfragments! Sich nicht damit abfinden, die Unterbrechungen zu verstärken. Es geht auch nicht darum, einen spielerisch-dramaturgischen Bogen zwischen den einzelnen Fragmenten durchzuziehen. Die dritte Arbeitsphase ist für C. B. die wildeste vom inhaltlichen Moment her. Wie der Text strukturiert ist, schließt die Herangehensweise ein. Das Theater wird im Grunde von B.B. im "Fatzer" in Frage gestellt. Man kann das Material als Widerstand verstehen. B. B. verstand das Fatzerfragment als schriftliches Experimentierfeld zur eigenen Selbstverständigung (siehe dritte Arbeitsphas B 36:" Das ganze Stück, da ja unmöglich
Einfach zerschmeissen für Experiment
ohne Realität!
Zur "Selbstverständigung"

Das Fatzerfragment enthält eine breite Palette von stilistischen Momenten. Wir finden expressionistische bis hin zu durchgeabeiteten Stilmomenten a la "Mutter Courage" vor. In der dritten Arbeitsphase ist diese Wechselhaftigkeit des Schreibens extrem. (Wir lesen gemeinsam die oben erwähnten Texte).
( Pause )
C. O. kommt. Wir gehen zusammen in den Gitterraum. Jeder sucht sich im Raum zwei Geräuschinstrumente. Ausgehend von der Mitte des Raumes bewegt sich jeder in Richtung der Außengänge. Mit einem der Instrumente soll ein kontinuierliches Geräusch produziert werden, mit dem anderen ein abgehacktes. Die Schwierigkeit in der Produktion der Töne liegt im Finden einer angemessenen Lautstärke. Hören die einen Mitspielenden noch die Töne, die man selbst produziert?/ Und übertönen die von einem gemachten Geräusche, die der anderen, so daß man nur mehr sich selbst hört? Eine zweite Schwierigkeit lag darin, daß gewisse Instrumente sich für diese großen Distanzen, die die Spielenden voneinander trennte nicht eigneten, um angemessen hörbare Töne zu produzieren. In einem zweiten Versuch werden sodann die schlecht hörbaren Werkzeuge durch andere hörbarere Instrumente ausgetauscht. Es werden nur meht Metallinstrumente verwendet. In einer letzten Anordnung befinden wir uns auf der Straße des Gitterraumes. Jeder der Agierenden ist mit zwei metallernen Klangkörpern ausgestattet. Aufgabe ist, gemeinsam kontinuierliche und abgesetzt davon abgehackte Geräusche zu produzieren. Wobei im Moment des abgehackten Geräusches jeder den Text:" Er sagt: Die sind in Ordnung aber ich bin in Unordnung." ( B 23) sprechen kann. Die Produktion der Klänge und das Sprechen des Textes sollen dabei sich nicht gegenseitig übertönen. C. O. unterbricht die Übung und gibt die Anweisung ein, die Phase der kontinuierlichen Geräuschproduktion zu verkürzen, in der man sich auch schneller bewegt und mehr lineare Seitenbewegungen macht. Neuerlicher Abbruch: die Metallinstrumente werden durch leisere, nicht metallerne Werkzeuge ersetzt. Der Aktionsraum wird durch den Gitterbereich vergrößert.

Protokoll 20.. September
- Skizze
- Textbesprechung mit formaler Ebene, Ausdrucksebene, Einordnung in Entstehungsphase, Bezug zu veränderter Relevanz heute, das Fragment als Form, Formen des Umgangs mit Fragment um Fragmentcharakter auch in der Darstellung gerecht zu werden, Reflexion der Arbeit des Autors
- Textarbeit, vgl. verschiedener Arbeitsphasen
Training
Stimmübungen
Theorie
Klang mit Christian
Jeder 15 Minuten
1.
2. mal Sex
1. Platz
2. Gespräch Platz Paarwechsel
3. Sandplatz
Schlauch
Haus
Fatzer aufhängen
Textarbeit
gestern
holla
Öffentliche Probe
Vorfeld/ Anweisungen
Figuration
Wegbegleitung
Schlauch 1
Schlauch 2
Wegbegleitung
B 20
Wegbegleitung
Gespräch
Internet
Gruppenarbeit
Schlachthof

Dies schreibend während die Gruppe in der Halle mit den Wagehäuschen improvisiert. Jeder mit sich und sich. Verbindungen nur über den Text. Die Gleichzeitigkeit der Anderen. Es ergeben sich Bezüge, die zufällig sind aber sehr präzise gesetzt scheinen. Die Weitläufigkeit der Halle und die vereinzelt aufflackernden Aktionen, manche länger durch Wiederholung. Wunderbare Atmosphäre. Sehr konzentriert, energetisch, irgendwie auch traurig aber keinesfalls pathetisch. Ich bin aufgeregt ob der Vorgänge die ich beobachte, gleichzeitig ein seltsamer Druck im Nacken, wie beim Sehen eines Tierdokumentarfilms und man ahnt schon, daß der Tieger die Antilope reißen wird. Natürlich kann ich nicht mehr wegsehen.
Heftige Diskussion danach...
d.u.

zurück zur hauptseite