Veröffentlichung

B.T.     Ich glaube, die Dauer kann auch von jedem einzelnen Zuschauer bestimmt werden durch seine Rezeption. Während meines ersten Besuchs einer öffentlichen Probe verließ ich mehrere Male den Raum und kehrte zurück, um die Freiheit des Zuschauers zu nutzen, das Gehen und Wiederkommen gegen die Kastration einer Art animierten Theaters. Die Freiheit besteht aus seinem eigenen Rhythmus, mit dem man den Raum durchquert. Die Zuschauer machen aber nicht viel. Ich nehme das Beispiel von Foucault anhand einer Szene im Film von Chaplin, die er als eine große Befreiung bezeichnet. Chaplin ist im Gefängnis und diese Eingeschlossenheit ist sein einziger Anhaltspunkt. Also schafft er sich einen Raum. Im Film Down by Law von Jim Jarmush sind die Figuren zu Beginn im Gefängnis und reproduzieren zum Schluß in der Hütte, den gleichen Raum und die gleichen Bewegungen. Auf diese Weise kann man die Freiheit verstehen.

            Ich glaube, ich kann verstehen, was Claudia mir sagte über die Arbeit der Schauspieler, als Frage der Kombinatorik. Das ist sehr kompliziert, es werden dermassen viele Elemente integriert. D.h. ich glaube wirklich, das Fragment, das in der Ordnung der Arbeit gegeben wird, erste Arbeitsphase, zweite, dritte, hat ja im Innern noch eine Kombinationsmöglichkeit von A, B und C. Oder Claudia wechselt die Ordnung selbst während der Aufführung. Also, das bringt die Spieler in Gefahr, in gewisser Weise vereinzelt es sie auf mehreren Ebenen. Jedesmal wenn man beginnt, sich in einem System zu installieren, ein Verhältnis zwischen dem Individuum und dem Chor zu finden, zerstört sie es, so wie ich das verstanden habe, oder sie will es zerstören, damit sich das eben nicht installiert. Das Spiel muß sich darüber hinaus entwickeln. Das ist also alles sehr komplex integriert in diese Arbeit.

aus einem Arbeitsgespräch mit Bertrand Tappolet Genf 1998/ Auszug aus Dokumentationsentwurf

 

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