Gewöhnlich denkt man bei "Improvisation" an die Materialsammlung für eine zu reproduzierende Inszenierungsabfolge. Umgegangen wird mit Requisiten - die "Nummernprogramme" der Schauspieler aus ihrem bekannten Repertoire. Fallen diese weg, wird durch die Reduktion der Körper Kommunikationsgrundlage durch das Erfinden mit dem Körper.

Die Weiterführung unserer theatralen Forschung anhand des Fatzer-Fragments untersucht Kommunikationsstrukturen, die sämtliche Formen der Selbstverständigung von Theater, Raum, Spiel, Regisseur und Betrachter in Frage stellen. Im offenen Arbeitsprozeß können sich theatrale Strukturen nur innerhalb einer großen Zeitspanne entwickeln.
Nach einer Phase der Verwerfung aller traditionellen Gesetze von Theater (Bühne, System, Reproduktion, Figurenspiel) begann innerhalb des Probenprozesses eine präzise Untersuchung von räumlich bestimmtem Gestenpotential, das die Spieler sich körperlich zu bestimmten Textfragmenten in Bezug setzen läßt. Die Entwicklung kollektiven Verständnisses wird im Prozeß des Spiels vorangetrieben.
Gegeben/geschaffen wird ein fremdes Terrain, das nicht mit Alltagserfahrungen einzuholen ist:
Furcht, angstvolle Kommunikationssysteme. Im Alltag ist diese Art physischer Thematisierung von Verhältnissen kaschiert, eingeengt, sozial geregelt oder einfach unmöglich. Sämtliche gesellschaftliche Machtverhältnisse sind in diese eingelassen.
Die Veröffentlichungen zeigen, je präziser und einfacher (nicht simpler) die Kommunikation unter den Spielern ist, um so mehr öffnet sich die Kommunikation für den Zuschauer, um so mehr nimmt er Gesten auf, entwickelt eigene, setzt sich selbst ins Spiel.
Theater als ritueller kollektiver Erfahrungsraum für das Entwerfen von sozialer Phantasie.