Sprechvorgang + Text+ Zu Eigen Machen
Beim Orestie-Sprechen: bei einem Punkt endet meistens der Gedanke nicht, man darf nicht zu sehr abschließen, da ansonsten die großen Bögen nicht zu halten wären, die über teilweise zwei, drei Absätze gehen. Um diese sprechen zu können, muß man die Gedanken im vorhinein ordnen und vorsortieren. Der Text selber hat mit mir vorerst wenig zu tun (zwei Raubvögel schlagen eine trächtige Häsin - na, und?), scheint, wie Maya meint, zu einem selber sehr distanziert zu sein und schwer auf verschiedene Arten sprechbar. Claudia: über Nacherzählen eine neue Realität schaffen. Aber wo und wie kann ich mich da involvieren?
Beim Fatzer-Sprechen: da denkst du, (wenn du gerade "drinnen" bist), das, was du sprichst, dieses baut das nächste auf und steigert sich so fort, da ist vorher nix zu ordnen; deshalb ist es auch so schwierig, wenn man eine Zeile weitaus tiefer ansetzt, als die vorangegangene. Du stoppst dich selber und schreitest schwer fort. Oft fühle ich mich vom Text sehr getrieben, dann kämpfe ich beinahe mit ihm, meine Waffe ist eine zusätzliche Strukturierung, vielleicht kommt daher mein Singen. Jedes Wort gleichwertig zu nehmen, einem aufgeschriebenen Gestus vertrauend, dem, der sich dann zeigt. Ich traue diesem Brecht-Fragment-Werk noch nicht ganz, scheint mir, da ich noch zu wenig Erfahrung beim Sprechen mit dieser Bewegung gemacht habe, sonst würde ich vielleicht nicht so stark selber komponieren. Kann ich das überhaupt selber noch beurteilen? Versteht diesen persönlichen Monolog denn irgendjemand?
Auszug aus einem Arbeitsprotokoll von a.p. vom 19.8.99